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ÖLPREISE Neuer Kampf

Der vor einem halben Jahr aufgebrochene Riß im Ölkartell Opec ist gekittet: Auch die Saudis schlagen jetzt stärker auf.
• aus DER SPIEGEL 27/1977
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Saudi-Arabiens Ölminister Ahmed Saki el-Jamani hat, das jedenfalls behauptet er von sich selbst, nur Uneigennütziges im Sinn: Er versuche lediglich, den Verbraucherländern zu billigeren Ölimporten zu verhelfen.

Mit genau dieser Verheißung versuchte der gewiefte Petro-Politiker den westlichen Industrienationen und den Ölimporteuren der Dritten Welt eine Entscheidung zu verkaufen, die diese Länder im nächsten Halbjahr rund zwei Milliarden Dollar kosten wird: Entgegen früheren Beteuerungen, den Ölpreis bis Ende des Jahres konstant zu halten, kündigte Jamani vorletztes Wochenende einen um fünf Prozent erhöhten Preis für saudisches Rohöl an.

»Die saudische Ölpolitik hilft dem Verbraucher, eine niedrigere Ölrechnung zu zahlen«, rechtfertigte Jamani den Preisanstieg. Denn mit diesem Schritt habe Saudi-Arabien einen weit gefährlicheren Preisschub verhindert.

Ohne Anhebung des Saudi-Preises auf das Niveau der übrigen in der Organisation ölexportierender Länder (Opec) zusammengeschlossenen Förderstaaten hätte die Oper-Majorität ihren bislang um fünf Prozent über der Saudi-Marke liegenden Preis am 1. Juli noch einmal um fünf Prozent erhöht, Und dieser Kostenanstieg für die Masse des Opec-Öls, so Jamanis Rechnung, hätte die Verbraucherländer weit stärker belastet als der Saudi-Zuschlag.

Mehr als um das Wohl der Verbraucher ging es den Saudis bei ihrem Preisentscheid allerdings darum, den im Dezember 1976 zerstörten Frieden des Opec-Kartells wiederherzustellen. Damals hatten sich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate einerseits sowie die restlichen elf Opec-Mit. glieder andererseits nicht auf einen einheitlichen Ölpreis einigen können.

Die an einem langfristig gesicherten Ölabsatz interessierten Saudis und vereinigten Emire erhöhten ihren Preis zu Beginn des Jahres nur um fünf Prozent. Die auf kurzfristig möglichst hohe Ölerlöse erpichten Opec-Mitglieder mit vergleichsweise geringen Ölreserven wie Iran, Algerien oder Venezuela schlugen zehn Prozent auf und vereinbarten einen weiteren Preisanstieg von fünf Prozent ab 1. Juli.

Eine erbitterte Absatzschlacht schien unausweichlich, als Preisbrecher Jama-ni das Produktions-Limit für Saudi-Öl von 8,5 Millionen Barrel pro Tag (425 Millionen Tonnen jährlich) aufhob und versprach, die Saudi-Förderung bis Ende des Jahres an die gegenwärtige Kapazitätsgrenze von 11,8 Millionen Barrel täglich hochzufahren.

Doch die Drohung des Saudis, er werde den Weltmarkt mit billigem Öl überfluten, erwies sieh in den folgenden Monaten als stark überzogen. Nur in einem einzigen der vergangenen sechs Monate übertraf die in Saudi-Arabien operierende Ölgesellschaft Aramco die von Jamani bereits für das erste Quartal anvisierte Förderleistung von durchschnittlich zehn Millionen Barrel pro Tag.

In den ersten Monaten des Opec-Schismas behinderte außergewöhnlich stürmisches Wetter an der arabischen Golfküste das Beladen der Tanker in den saudischen Ölhäfen. Später. im Mai, führte ein Brand in Abqaiq, dem zweitgrößten Ölfeld des Königreichs, zu einem Förderausfall von zwei bis drei Millionen Barrel pro Tag.

»In verschiedenen Kreisen«, berichtete Londons »The Times«, halte sich überdies »der Verdacht«, daß für den überraschend schwachen Produktionsanstieg im ölreichsten Land der Welt auch politische Gründe maßgeblich waren: »Nicht jeder in der Saudi-Regierung war bei dem Gedanken an eine ungebremste Ölproduktion und ihre möglichen Folgen für die Zukunft der Opec glücklich.«

Jene Opec-Länder, die durch ihre geographische Lage und den niedrigen Schwefelgehalt ihres Öls begünstigt sind, Nigeria etwa oder Libyen und Algerien, hatten von der billigeren Saudi-Konkurrenz wenig zu fürchten. Selbst für die im direkten Wettbewerb mit den Saudis stehenden Perser fielen die Absatzeinbußen im vergangenen Halbjahr glimpflicher als erwartet aus.

Dennoch sorgten sich die Zehn-Prozent-Länder, daß die Saudis ihnen bei einem lang anhaltenden Preiskrieg durch Einsatz ihres vollen Petro-Potentials das Geschäft gründlich verderben könnten.

Nach Angaben der Aramco, die das saudische Fördergeschäft betreibt, kann die saudische Ölproduktion selbst ohne neue Ölfunde in den achtziger Jahren bis auf 25 Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden (gegenwärtige Opec-Produktion: rund 32 Millionen Barrel). Esso-Chef Wolfgang Oehme: »Saudi-Arabien ist die große SparkasVorsichtshalber ließ der auf hohe Ölpreise angewiesene Schah von Persien den Saudi-König Chalid wissen, er sei zu einem Preiskompromiß bereit, wenn Saudi-Arabien die anderen Opec-Mitglieder nicht durch stärkere Ausweitung der Produktion schädige.

Auch Carlos Andrés Pérez, Präsident des Opec-Mitglieds Venezuela, mühte sich bei einer Rundreise durch den Nahen Osten, die arabischen Opec-Brüder wieder auf eine gemeinsame Preispolitik zu verpflichten.

Und als Anfang Juni das magere Ergebnis des sogenannten Nord-Süd-Dialogs zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern in Paris den Saudis einen Vorwand für die ursprünglich abgelehnte Preiserhöhung von fünf Prozent bot, war der Riß im Öl-Kartell gekittet -- jedenfalls fürs erste. Denn schon sieht Jamani, der bei seinen Preisforderungen auch die Belastbarkeit der westlichen Industriestaaten ins Kalkül zu ziehen behauptet, einen neuen Konflikt heraufziehen.

»Ende 1977«, sagte der Minister voraus, »werden wir einen neuen Preiskampf haben.«

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