Neuer Markt: "Akt der Verzweiflung" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neuer Markt "Akt der Verzweiflung"

Der Neue Markt bleibt das Sorgenkind der Anleger. Zwar hat te sich der Nemax 50 seit seinem absoluten Tiefstand von 683 Punkten nach dem 11. September bis Ende November auf 1335 Punkte fast verdoppelt ­ doch seither geht es bergab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vergangene Woche durchbrach der Index erstmals seit vier Monaten die psychologisch wichtige Marke von 1000 Punkten. Die heftigen Kursbewegungen auf niedrigstem Niveau zeigen vor allem eines: Das Börsensegment liegt in den letzten Zügen.

In diesem Jahr werde es einen neuen Pleitenrekord auf dem Parkett der jungen Wachstumswerte geben, prophezeien Anlegerschützer. Und mit Ausnahme der 10 bis 15 größten und finanzstärksten Werte, darunter T-Online, Qiagen oder Aixtron, rühren Fondsgesellschaften, Banken und Versicherungen die jungen Unternehmen kaum noch an. Die Deutsche Börse überlegt deshalb, das ramponierte Image des Börsensegments mit einem neuen Namen aufzupolieren.

"Das klingt schon sehr nach einem Akt der Verzweiflung", kommentiert Ulrich Beckmann, Leiter des Global Markets Research der Deutschen Bank, das Ansinnen. Die institutionellen Anleger, darüber sind sich Frankfurter Banker und Börsianer einig, werden sich davon nicht blenden lassen. Alles in allem bleibt der Neue Markt vorerst also eine Spielwiese für Zocker, nicht aber für langfristig orientierte Anleger. Und das, obwohl beispielsweise Beckmann den derzeitigen Pessimismus bezüglich der jungen Unternehmen für ebenso übertrieben hält wie die Euphorie vor zwei Jahren, als der Index bei 9000 Punkten stand.