Neuer Markt: Ende der Glücksspiele - DER SPIEGEL
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Neuer Markt Ende der Glücksspiele

Die Zeiten, in denen utopische Prognosen am Neuen Markt für Kursfeuerwerke sorgten, sind vorbei. Besonders bei Neuemissionen wie zuletzt LetsBuyit.com regiert mittlerweile die Vorsicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Nach zweimaliger Verschiebung des Börsengangs kam am Freitag die Aktie von LetsBuyit.com an den Markt. Um nicht noch einmal einen Flop zu landen, wurde der Emissionspreis mit 3,50 Euro pro Aktie sehr niedrig angesetzt. Nach dem ersten Kurs konnten die Anteilseigner aufatmen, er lag bei 5 Euro und hielt sich am ersten Tag auch auf diesem Niveau. Doch die Glanzzeiten der Börsengänge sind vorbei. Fast jede zweite Neuemission notiert mittlerweile "unter Wasser", also unter dem Ausgabepreis.

Mit den Emissionen vom Freitag sind nun 300 Firmen am Neuen Markt notiert. Die meisten Anleger haben bei der Vielzahl von Quartalsberichten und Börsenprospekten längst den Überblick verloren. Selbst professionelle Händler konzentrieren sich inzwischen überwiegend auf große, solide und vor allem vertrauenswürdige Firmen. "Viele der Dotcom-Klitschen beobachten wir gar nicht mehr", heißt es oft bei den Investmentgesellschaften.

Obwohl die am Neuen Markt notierten Unternehmen sich eigentlich besonders tief in ihre Bücher schauen lassen müssen, haben viele in den vergangenen Monaten mit plötzlichen Verlustlöchern und "Gewinnwarnungen" aufgeschreckt. Die oft utopisch optimistischen Wachstumsprognosen mancher dieser Senkrechtstarter waren nur kurze Zeit nach dem umjubelten Börsengang schon wieder Makulatur. "Die schwierige Marktlage war leider nicht abzusehen" oder "vorrübergehende Markteintrittsbarrieren eines Start- ups", hieß es dann lapidar.

Für Missstimmung sorgte nicht zuletzt das Verhalten einiger jung-dynamischer Firmenchefs. Erst sammelten sie über die Börse kräftig Geld ein. Dann verscherbelten sie nach der üblichen Anstandsfrist von wenigen Monaten klammheimlich große Teile ihrer Aktienpakete mit beträchtlichem Gewinn. Börsenguru André Kostolany nannte den Neuen Markt einst "eine Spielhölle mit gezinkten Karten" und mahnte zur Vorsicht.