Neuer Markt "Es gibt keinen Ochner-Effekt"
Frankfurt am Main - Seregni hat sich am Donnerstag von seinem skandalumwitterten Vorgänger distanziert. Ab sofort werde man beim Bankhaus Julius Bär wieder auf ausreichende Liquidität der Titel achten, sagte Seregni im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Sein Vorgänger Ochner, einer der legendären Fondsmanager des Neuen Marktes, hatte gern "marktenge" Titel gekauft, Aktien also, die nur in geringem Volumen gehandelt werden. Dadurch hatte er viele seiner Favoriten selbst in die Höhe getrieben. Diese Anlagestrategie war einer der Kritikpunkte, die Anfang der Woche zur Entlassung Ochners geführt hatten.
Der neue Nebenwerte-Beauftragte von Julius Bär sagte, dass er aber wie Ochner weiter auf Unternehmen mit mittlerer und geringer Marktkapitalisierung und hohem Wachstumspotenzial setzen werde.
Als einen "Ochner-Effekt" wolle Seregni die jüngsten Kursverluste am Neuen Markt nicht bezeichnen. Nachdem die Entlassung Ochners zu Wochenbeginn bekannt wurde, waren die Kurse von Unternehmen wie Biodata, Medion und Caatoosee eingebrochen. Händler hatten einen kausalen Zusammenhang gesehen.
Seregni hingegen meinte, das sei eine Eigendynamik des Marktes gewesen. Er habe das Ochner-Portfolio jedenfalls noch nicht bereinigt. "Wir haben bisher nicht maßlos verkauft", fügte er hinzu. Derzeit würde jeder Titel im Portfolio angeschaut, dann werde entschieden, ob verkauft wird. Er stehe nicht unter Zeitdruck.
Angesprochen auf die Fehler seines Vorgängers erklärte Seregni, Ochner habe "recht gut abgeschnitten". "Auf dem Weg nach oben" sei er "sogar etwas besser als der Markt" gewesen. Das Hauptproblem seien wohl die hohen Kursschwankungen der vergangenen Monate gewesen. "Ochner ist wohl ein Opfer des Neuen Marktes geworden - wie so viele andere auch."