Neuer Markt: Insider-Vorwurf gegen Ixos-Manager - DER SPIEGEL
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Neuer Markt Insider-Vorwurf gegen Ixos-Manager

Mitarbeiter des Software-Herstellers Ixos sollen kurz vor einer Gewinnwarnung große Aktienpakete verkauft haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Insiderverdachts.
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München - Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Verantwortliche des Softwareunternehmens Ixos wegen Verdachts des Insiderhandels. Wie die Ixos Software AG am Freitag bestätigte, gibt es Ermittlungen gegen einzelne, bereits aus dem Unternehmen ausgeschiedene Anteilseigner, die Aktienverkäufe getätigt hätten.

"Derzeitige Ixos-Vorstände und Mitarbeiter sind davon nicht betroffen", heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Der Ixos-Kurs sackte am Freitag am Neuen Markt zwischenzeitlich um 11,5 Prozent auf 7,8 Euro ab.

Konkrete Namen der Personen, auf die sich die Ermittlungen erstrecken, seien Ixos nicht bekannt, da das Unternehmen nicht in die Ermittlungen involviert sei, teilte Ixos weiter mit.

Wertpapieraufsicht: Wir vermuten Insider-Handel

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) bestätigte, am 16. Februar gegen mehr als zwei Personen Anzeige erstattet zu haben. Hintergrund: Vor einer Ad-hoc-Meldung vom 31. März vergangenen Jahres war es zu auffälligen Umsätzen gekommen, die Hinweise auf verbotene Insider-Geschäfte lieferten.

Eine Untersuchung durch BaWe-Ermittler habe diesen Verdacht bestätigt. "Wir gehen davon aus, dass es im Vorfeld Aktienverkäufe durch mehrere Personen mit Insiderkenntnissen gegeben hat", sagte eine Sprecherin der Behörde.

Vorstand verkaufte 300.00 Aktien

Ende März 2000 hatte Ixos überraschend für das dritte Geschäftsquartal einen erheblichen Verlust angekündigt. Daraufhin war der Aktienkurs um mehr als 46 Prozent auf 42 Euro eingebrochen. Kurz darauf fiel sie erneut um über 50 Prozent. Vor der Verlustwarnung allerdings hatten mehrere Altaktionäre massiv verkauft. Der frühere Vorstand und Mitgründer Hans Strack-Zimmermann räumte dies Wochen später ein. Er habe etwa 300.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von rund 50 Euro abgegeben, sagt er damals.

Auch der ehemalige Vorstandssprecher Eberhard Färber und eine Investmentbank hätten Anteile verkauft. Bei dieser Investmentbank handelt es sich nach Recherchen von manager-magazin.de um Goldman Sachs. Ixos erklärte dazu am Freitagabend, das Unternehmen werde auf Anfrage alle ihr bekannten Aktienverkäufe von Mitarbeitern im Vorfeld der Gewinnwarnung gegenüber dem Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel offen legen.

Auch die Bank verkaufte - nachdem sie zum Kauf geraten hatte

Pikantes Detail: Das Paket der Investmentbank Goldman Sachs hatte einen Umfang von insgesamt 600.000 Aktien. Zusammen mit den von den Vorständen verkauften Papieren - ebenfalls 600.000 Stück - wurden so wenige Wochen vor der Gewinnwarnung 1,2 Millionen Aktien oder sechs Prozent des Grundkapitals auf den Markt geworfen.

Dieselbe Bank hatte die Aktie zuvor nachdrücklich empfohlen, und zwar gleich zweimal. Am 20. Januar stuften die Goldman- Analysten Ixos als "attraktiven Kauf" ein und begründeten dies damit, dass der Spezialist für Archivierungs-Software erhebliches Nachholpotential an der Börse hätte.

Empfehlung als "Market Outperformer"

Etwa eine Woche später legten die Goldman-Strategen noch einmal nach: Kursziel 65 Euro, so ihre Vorgabe für die Ixos-Aktie, die weiterhin als "Market Outperformer" eingestuft wurde. Das Unternehmen habe mit der Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal überzeugen können, außerdem sei der Umsatz von 23,5 Millionen Euro im Vorjahr nun auf 31 Millionen Euro gestiegen. Für die Jahre 2000 und 2001 revidierten die Experten ihre Gewinnprognosen von 0,26 auf 0,30 Euro und von 0,58 auf 1,02 Euro nach oben.

Die Empfehlung verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Aktie schoss steil nach oben und erreichte innerhalb weniger Wochen ein Niveau von etwa 100 Euro. Wenige Wochen später kam die Gewinnwarnung, aber zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank längst verkauft.

Sie war übrigens in dem Konsortium vertreten, das Ixos am 7.10.1998 mit 415.000 Aktien an die Börse gebracht hatte. Konsortialführer war die Deutsche Bank. Auch sie hatte Ixos im Januar massiv zum Kauf empfohlen.