Neuer Markt Metabox zahlungsunfähig
Hildesheim - Mit dem zuständigen Insolvenzverwalter solle ein Plan erstellt werden, um eine Fortführung der Geschäfte zu ermöglichen, teilte Metabox mit. Kurz vor Veröffentlichung der Pflichtmitteilung am Nachmittag wurden die Aktien für rund eine Stunde vom Handel am Neuen Markt ausgesetzt und brachen nach Wiederaufnahme um 44 Prozent ein.
Metabox war wegen korrigierter Bilanzen und Prognosen sowie staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in die Schlagzeilen geraten. Da bislang kein Risikokapitalgeber eingesprungen war, zeigten sich Analysten von der Zahlungsunfähigkeit nicht überrascht. Ende April hatte Vorstandschef Stefan Domeyer die Liquiditätslage seines Unternehmens bereits als kritisch bezeichnet.
Die vor einigen Monaten gegründete "Aktionärsgemeinschaft Metabox" zeigte sich überrascht. "Nach unserem Wissen hat es in den vergangenen Wochen Gespräche mit potenziellen Investoren gegeben, die aber offenbar nicht positiv verlaufen sind", sagte Michael Heckeroth von der Aktionärsgemeinschaft. Die Kleinaktionäre wollten das Unternehmen mit einer Summe von einer bis zwei Millionen Mark unterstützen.
Für die Metabox-Tochter ICS Kassensysteme wurde bereits im April das Insolvenzverfahren eingeleitet. Für das Gesamtunternehmen hatte der Vorstand die Trennung von einzelnen Beteiligungen und eine Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt, verbunden mit dem Abbau eines Drittels des Personals.
Staatsanwaltschaft ermittelt seit Februar
Metabox war in die Kritik geraten wegen mehrerer im Vorjahr veröffentlichter Großaufträge oder Absichtserklärungen über die Lieferung von Set-Top-Boxen, mit denen Internet am Fernsehgerät möglich sein soll. Seit Februar ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Metabox-Chef Domeyer und zwei inzwischen ausgeschiedene Metabox-Vorstände wegen des Verdachts der Kursmanipulation, des Kapitalanlagebetruges und des Insiderhandels. Es bestehen Zweifel an einigen der vier Großaufträge oder Absichtserklärungen mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 2,9 Millionen Set-Top-Boxen.
Mehrere Aufsichtsratsmitglieder des im Mai 1996 unter dem Namen Pios Computer gegründeten Technologieunternehmens legten daraufhin in den vergangenen Wochen ihr Mandat nieder. Die erstmals am 7. Juli 1999 am Neuen Markt notierte Metabox-Aktie war im vorigen Jahr infolge der Angaben über die Großaufträge auf mehr als 45 Euro gestiegen. In diesem Frühjahr fiel sie auf unter zwei Euro.
Am Dienstag notierte sie beim Aussetzen des Handels bei 1,35 Euro. Nach Wiederaufnahme zum Handel sackte das Papier bis auf 0,68 Euro ab. Die Analysten von M.M. Warburg hatten die Aktie zuletzt auf "Verkaufen" von "Halten" heruntergestuft. "Wir haben auch keine Schätzungen mehr für 2001 und 2002 abgegeben", sagte Analyst Thorsten Barnstedt. Er verwies zur Begründung auf die jüngste Studie der Bank vom 10. Mai.
Dort hieß es, dass Metabox selbst im Geschäftsbericht für 2000 auf erhebliche Risiken der künftigen Unternehmensentwicklung aufmerksam gemacht habe. Das für das erste Quartal angekündigte Geschäft mit Großkunden verzögere sich offenbar weiter, schrieben die Analysten. "Die Liquiditätslage des Unternehmens ist sehr angespannt. Ein Überleben ist unser Erachtens nur solange gesichert, wie Risikokapitalgeber bereit sind, Eigenkapital zuzuführen."