Neuer Markt: Nichts geht mehr - DER SPIEGEL
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Neuer Markt Nichts geht mehr

Mit Intershop verglüht der nächste Fixstern am Neuen Markt. Zurzeit scheint kein Weg mehr aus der Vertrauenskrise im Technologiesektor zu führen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Gewinnwarnung von Intershop hat einen regelrechten Schock ausgelöst. Mit einem Minus von zeitweise mehr als 70 Prozent erreicht die einst hochgelobte E-Commerce-Softwareschmiede schon fast die Absturz-Dimensionen von EM-TV oder LetsBuyIt.com in den vergangenen Wochen, obwohl deren wirtschaftliche Situation viel dramatischer ist.

Eine Erklärung für Intershops Fall ins Bodenlose dürfte darin liegen, dass die Gewinnwarnung selbst die auf diesen Wert spezialisierten Analysten überrascht hat. Immerhin war die Branche der Software-Anbieter für den elektronischen Handel über das Internet bisher nicht von Gewinnwarnungen betroffen. Trotzdem: Die Unternehmenszahlen allein rechtfertigen die gnadenlose Abstrafung nicht.

Die geradezu panische Reaktion der Investoren wirft vielmehr ein Schlaglicht auf den Vertrauensverlust, den der einst so hoch geschätzte Technologiesektor inzwischen erfahren hat. Gerade der Fall des einstigen Börsenstars EM.TV lässt die Anleger inzwischen an der Seriösität des gesamten Neuen Marktes zweifeln.

Die hektischen Reaktionen auf jede schlechte Nachricht tragen ein Übriges dazu bei, die allgemeine Nervosität zu verstärken. In einem solchen Umfeld sehen die Marktteilnehmer vor allem Risiken und kaum Chancen.

Von der schlechten Stimmung haben sich inzwischen auch die Analysten anstecken lassen. Wenn sie in diesem Jahr überhaupt einen nennenswerten Aufschwung erwarten, dann jedenfalls keinen dauerhaften. Sie erklären ihren Pessimismus mit der weltweiten Konjunkturabkühlung und den rückläufigen Investitionen in neue Technologie.

Damit die Investoren allmählich wieder Vertrauen gewinnen, müsste die unglückselige Kette von Hiobsbotschaften endlich abreißen und möglichst noch einige gute Nachrichten hinzu kommen. Doch in Zeiten, in denen Analysten selbst Erfolgsmeldungen als der Anfang vom Ende interpretieren, werden diese wenig Gehör finden.