Neuer-Markt-Skandal Ad-Hoc-Trickser abgestraft
Um 16.50 Uhr notierte das Papier bei 1,43 Euro fast 58 Prozent unter Vortagsniveau und folgte damit der Entwicklung vom Vortag an der Wall Street. Dort war die die Team-Aktie ab 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit ins Bodenlose gestürzt. Binnen weniger Minuten hatte das Unternehmen rund die Hälfte seines Börsenwertes verloren.
Der neue Vorstandsvorsitzende der Team Communications, Michael Jay Solomon hatte in New York überraschend erklärt, dass sein Unternehmen Liquiditätsprobleme habe. Das Geschäftsjahr 2000 werde nicht mit einem Gewinn von 5 Millionen Dollar, sondern voraussichtlich mit einem Verlust in Höhe von bis zu 20 Millionen Dollar abschließen.
Die Leidtragenden waren die Privatanleger. Während institutionelle Investoren, die auf anderen Wegen über die Gewinnwarnung informiert waren, ihre Pakete rasch veräußerten, konnten die Kleinaktionäre auf den unerwarteten Kursverfall nicht reagieren.
Der Grund: Die aktienrechtlich vorgeschriebene Ad-hoc-Mitteilung zu dem "plötzlich aufgetretenen Liquiditätsbedarf" bei Team Communications - in den USA rechtzeitig veröffentlicht - blieb bis Börsenschluss in Frankfurt aus. Erst um 20.14 Uhr, also nach Ende der deutschen Handelszeit, kam die fatale Nachricht über die Ticker. Begründung des neuen CEO gegenüber manager-magazin.de: "Die Übersetzung eines solchen Textes braucht seine Zeit."
Von dem Skandal betroffen ist die Frankfurter Gontard & Metallbank, die Team Communications als Konsortialführer Ende November 1999 an den Neuen Markt gebracht hatte. Gontard & Metallbank-Chef Lothar Mark erklärte gegenüber manager-magazin.de, dass auch er sich "betrogen" fühle, sollten sich die Informationen als wahr herausstellen. "Das ist schon reichlich unverschämt", kommentiert Mark die Informationspolitik des amerikanischen Filmproduzenten.
Auch die deutsche Tochtergesellschaft der Team Communications zeigte sich über die Meldungen aus Amerika erstaunt. Man sei über die Vorgänge nicht informiert worden, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Stattdessen erfuhren die Münchner Mitarbeiter von dem CEO-Wechsel und der Gewinnwarnung aus dem Internet.