Neuer Markt: "Unser Image ist gefährdet" - DER SPIEGEL
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Neuer Markt "Unser Image ist gefährdet"

Nach dem Fiasko am Neuen Markt soll nun das Regelwerk verschärft werden. Eine exklusive Blitzumfrage von manager-magazin.de unter den Nemax-50-Firmen zeigt, dass viele Vorstände ein härteres und vor allem früheres Durchgreifen befürwortet hätten.
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Frankfurt am Main/Hamburg - Nach langem Zögern hat die Deutsche Börse nun endlich eine Verschärfung der Regeln für den Neuen Markt beschlossen. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Quartals-Berichterstattung reformiert werden soll, am Donnerstagabend wurde beschlossen, so genannte Pennystocks künftig nach einer bestimmten Frist auszulisten.

Nicht nur Aktionärsschützer bezeichnen diesen Schritt als "viel zu spät". Auch zahlreiche Vorstände des Neuen Marktes hatten diese Maßnahmen im Vorfeld der Entscheidung bereits vehement gefordert, und viele von ihnen erwägen bereits einen Wechsel des Segments, um weitere Schäden von ihrem Unternehmen abzuwenden. Dies ergab eine Blitzumfrage von manager-magazin.de unter Firmen des Neuen Marktes.

So sieht zum Beispiel die ACG AG ihr Image wegen der skandalösen Verhältnisse am Neuen Markt "massiv gefährdet". Vorstands-Mitglied Friedrich von Diest: "Durch den Kursverfall und die zu langwierige Umsetzung und Sanktionierung (!!) von schärferen Regeln am Neuen Markt läuft das gesamte Börsensegment Gefahr, nicht mehr ernst genommen zu werden. Unter diesem Imageverlust leiden dann natürlich auch die Unternehmen."

"Börse vernachlässigt ihr Kernprodukt"

Ähnlich äußert sich Stephan W. Mohren, CEO von Steag Hamatech, zu den gravierenden Schieflagen des so genannten Wachstums-Segments: "Wir sind nicht bereit, dieses weiter in dieser Form zu akzeptieren. Interessant ist zudem, dass die Deutsche Börse selber ein börsennotiertes Unternehmen ist. Der Neue Markt ist eines der Produkte dieses börsennotierten Unternehmens. Mir ist kein anderes Unternehmen bekannt, welches eines seiner Kernprodukte derart stark vernachlässigt."

Auch Ralph Dommermuth, Vorstands-Chef von United Internet, findet harte Worte für die Verhältnisse am Neuen Markt. Er spricht von "unsauberen und betrügerischen Bilanzierungspraktiken" und verweist auf den hohen Schaden, der seiner Gesellschaft daraus erwachsen sei.

Eine Konsequenz für viele der betroffenen Vorstände: Sie denken über einen Wechsel in ein anderes Segment nach. Erich Lejeune, Gründer und Vorstands-Chef der CE Consumer Electronic AG, zieht diesen Schritt für den Fall in Erwägung, dass die Sanierung des Neuen Marktes scheitern sollte. Lejeune: "Falls das Vertrauen weiter so strapaziert wird, denken wir über einen Wechsel in den MDax nach. Die CE Consumer Electronic mit einem angestrebten Umsatz von einer Milliarde Mark wäre sicherlich eine Bereicherung für dieses Segment."