Neuer Markt Wundersame Wende ins Plus
Frankfurt am Main - Vorhersagen für die Entwicklung am Neuen Markt sind in diesen Tagen schwieriger als die Wetterprognose. Nach hohen Anfangsverlusten bis zum Mittag drehte der Nemax 50 am Donnerstagnachmittag plötzlich wieder ins Plus und kletterte bis zum Handelsende um 8,71 Prozent auf ein Tageshoch von 3463,87 Punkten. Der Nemax All-Share sprang um 6,45 Prozent auf 3271,87 Zähler und schloss damit ebenfalls auf einem Tageshoch. Am Mittwoch hatten Händler angesichts der rasanten Talfahrt des Nemax 50 um beinahe acht Prozent noch von einem Crash gesprochen. Am Donnerstag schien es jedoch, als lägen die Auguren wieder einmal falsch.
Die allgemeine Verunsicherung der Anleger hat längst auch die Marktbeobachter erfasst. "Mit fundamentalen Daten der Unternehmen lässt sich das nicht mehr erklären. Reine Psychologie treibt die Märkte", sagte Paul Sibianu, Analyst der Düsseldorfer WGZ-Bank. Die hohen Verluste am Vormittag erklärten die einen mit Verkäufen der Kleinanleger, die nun vor allem auf der Abgeberseite stünden. Das schlechte Bild, das in der jüngsten Zeit in der Presse über den Neuen Markt gezeichnet werde, habe die Privaten so verunsichert, dass sie sich nun von ihren Papieren trennten. Andere gaben den institutionellen Anlegern die Schuld. Insbesondere ausländische Fonds, die im Frühjahr noch dicke Gewinne gewittert hatten, hätten ihre Anteile abgestoßen, sagte Sibianu.
Die Gegenbewegung des Marktes am Nachmittag erklärte Adrian Hopkinson, Chef der Abteilung Technologie-Research bei der Düsseldorfer WestLB, mit den fehlenden Vorgaben der US-Märkte, die wegen des Erntedankfeiertages geschlossen hatten: "In den USA feiern sie Thanksgiving, deshalb kommen von der Wall Street keine negativen Impulse." Dass der Trend auch am Freitag stabil bleibt, davon ging der Analyst allerdings nicht aus: "Der schwierige Markt für Technologiewerte in den USA wird morgen auch hier wieder auf die Stimmung drücken."
Der Einbruch an der Nasdaq, der am Donnerstagvormittag noch die deutschen Aktienmärkte belastet hatte, war von Börsianern mit dem US-Wahldebakel und Sorgen um ein sich abschwächendes Konjunkturwachstum erklärt worden. Der Index hat allein seit Anfang September 35 Prozent verloren. Eine Wende erwartet Hopkinson erst im neuen Jahr. Insofern sei der Neue Markt für längerfristig orientierte Anleger noch immer empfehlenswert.
Zu den größten Gewinnern im Nemax 50 zählten am Donnerstag die Kursverlierer der jüngsten Vergangenheit, die Händlern zufolge auf dem ermäßigten Niveau aufgesammelt wurden. Biodata endeten mit plus 25,69 Prozent bei 175,00 Euro und Adva sprangen um 23,58 Prozent auf 47,95 Euro. Auch Pandatel, die am Mittag noch bei 29,11 Euro ein Allzeittief markierten, erholten sich bis zum Handelsschluss um 22,26 Prozent auf 39,00 Euro. Adrian Neubrandt, Händler bei der BW Bank in Stuttgart, machte große Kauforders institutioneller Anleger für die Wende bei den Aktien des Hamburger Netzwerkspezialisten verantwortlich.
Das Verliererfeld im Nemax 50 war dagegen zum Handelsende deutlich geschrumpft. Die größten Verluste verbuchten United Internet, die um 9,73 Prozent auf 5,29 Euro fielen. Auch Carrier 1 International rutschten deutlich um 7,11 Prozent auf 17,65 Euro. Ebenfalls im roten Bereich schlossen Teldafax mit minus 5,39 Prozent auf 4,04 Euro und Edel Music mit minus 5,05 Prozent auf 15,24 Euro.