Neuer Rekord: Ölpreis springt über 85-Dollar-Marke - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neuer Rekord Ölpreis springt über 85-Dollar-Marke

Für Energiekunden kommt es heute geballt: Erst kündigt E.on höhere Strom- und Gaspreise an, dann klettert auch noch der Ölpreis auf ein Rekordhoch. Das Barrel kostet erstmals mehr als 85 Dollar. Den Händlern bereitet der Konflikt an der türkisch-irakischen Grenze Sorgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Kaufen, kaufen, kaufen - das ist derzeit die Devise an den internationalen Rohstoffbörsen. Die gestiegene Nachfrage hat heute gleich bei mehreren Produkten zu deutlichen Kursgewinnen geführt, so bei Öl, Edel- und Industriemetallen. Ein Fass leichtes US-Rohöl der Marke WTI verteuerte sich zeitweise um rund 1,50 Dollar und kostete damit 85,19 Dollar. Noch nie zuvor hat Rohöl mehr als 85 Dollar gekostet.

Händler führten den Preisanstieg unter anderem auf die Spannungen zwischen der Türkei und dem Irak zurück. "Man befürchtet, dass eine Militäraktion im ölreichen kurdischen Nordirak zu einer Beeinträchtigung der Ölversorgung führen könnte", erläuterte Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank. Daneben hielten offene Fragen zur Ölversorgung im Winter und die Dollar-Schwäche den Preis hoch, sagten Händler.

Am Wochenende war es zu Schusswechseln an der türkisch-irakischen Grenze gekommen. Kurdische Kämpfer warnten die Türkei vor einem Einmarsch. Irak ist eines der ölreichsten Länder der Welt. Eine neue türkisch-irakische Front könnte die ohnehin angespannte Lage am Golf aus dem Gleichgewicht bringen. Der Norden des Irak wird vor allem von Kurden bewohnt, auch auf der türkischen Seite der Grenze gibt es ein großes kurdisches Siedlungsgebiet.

Die Nordseesorte Brent verteuerte sich heute ebenfalls und kostete mit 80,75 Dollar gut 20 Cent mehr als am letzten Handelstag. "Fundamental ist der jüngste Anstieg nicht gerechtfertigt, aber der Markt ist offensichtlich sehr spekulativ getrieben und auf einem Auge blind", sagte Rohstoffanalyst Frank Schallenberger von der LBBW.

Seiner Ansicht nach ignorieren Ölinvestoren die jüngste Erhöhung der Fördermengen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Die Wettervorhersagen ließen zudem einen vergleichsweise warmen Winter erwarten, und die Hurrikan-Saison laufe aus. "Außerdem hat China seine Rohölimporte im vergangenen Monat mit der niedrigsten Rate seit zwölf Monaten gesteigert", merkte Schallenberger an. "Aber alles, was entlastend wirken sollte, wird ignoriert."

Auf die Preise an der Tankstelle hat sich der hohe Rohölpreis noch nicht direkt ausgewirkt. Allerdings notieren hier die Preise ohnehin seit Monaten auf hohem Niveau. In Deutschland kostete Diesel heute nach Branchenangaben 1,19 Euro pro Liter, bei Super waren es 1,34 Euro.

Erst heute Morgen hatte der größte deutsche Energiekonzern E.on für Unruhe gesorgt. Das Unternehmen kündigte Preissteigerungen bei Strom von bis zu 9,9 Prozent und bei Gas von bis zu 8,8 Prozent an.

Feierlichkeiten in Indien treiben den Goldpreis

Neben Öl verteuerten sich heute auch andere Rohstoffe deutlich. Der Goldpreis preschte in Richtung 800 Dollar je Feinunze vor, Kupfer kostete rund zwei Prozent mehr als am Freitag. Viele Investoren seien sehr optimistisch und rechneten mit steigenden Preisen bei Industriemetallen, sagte Analyst Daniel Smith von Standard Chartered. Auf Nachrichten, die dem entgegenstünden wie beispielsweise steigende Lagerbestände, würde kaum gehört.

Die Feinunze Gold kostete heute zeitweise 757,90 Dollar - so viel wie seit Januar 1980 nicht mehr. "Wir werden relativ zügig die Marke von 800 Dollar sehen", prognostizierte Schallenberger. Zu Jahresbeginn war das Edelmetall noch 20 Prozent günstiger.

Analysten führten die hohe Nachfrage unter anderem darauf zurück, dass Investoren ein Nachlassen der globalen Konjunkturdynamik erwarten. Entsprechend werde Gold als sicherer Hafen gesucht. Auf der anderen Seite habe die jüngste gute Entwicklung des Goldpreises zunehmend Investoren angezogen.

Ein weiterer Grund ist in Indien zu finden. Hier beginnt im Oktober die Hochzeitssaison, zu der traditionell viel Gold gekauft wird. Außerdem findet am 9. November das Diwali-Fest statt - ebenfalls ein Anlass, zu dem viel Goldschmuck verschenkt wird.

wal/Reuters/AP