Neuer Telekom-Chef Obermann will seinen Vorstand umbauen
Bonn - Wie schon seit einiger Zeit geplant, werde der Personalvorstand der Deutschen Telekom , Heinz Klinkhammer, seinen Posten freiwillig vor Ablauf seines Vertrags räumen, verlautete heute aus Unternehmenskreisen. Der Nachfolger werde aus dem Konzern kommen und stehe nach einem Auswahlverfahren bereits fest.
Mit Klinkhammer steht ein Urgestein des Telekom-Vorstands vor dem Abschied. Der Manager zeichnet für den umfassenden Umbau der Telekom-Belegschaft verantwortlich. Seit der Privatisierung vor zehn Jahren baute der Bonner Konzern 100.000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen ab. Klinkhammers Vertrag läuft noch bis Mitte 2008.
Vor der Ablösung stehe zudem der Chef der Festnetzsparte T-Com, Walter Raizner. Raizner war vor allem wegen des anhaltend hohen Kundenrückgangs und der späten Einführung der Bündeltarife in die Kritik geraten. In den vergangenen Wochen hatte Raizner zunehmend an Einfluss verloren. So wurde ihm zunächst die Leitung der Vertriebsorganisation T-Punkte entzogen, später kündigte der Konzern die Aufspaltung von T-Com an. Die rund 45.000 Mitarbeiter im Service- und Callcenter-Bereich sollten in eigene Sektionen ausgelagert werden.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Dow Jones will Raizner trotz interner Kritik an seiner Arbeit an seinem Posten festhalten. Demnach habe der Manager nicht vor, den Konzern zu verlassen, wie die Agentur unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete. Raizner sei nicht auf Jobsuche und habe auch keinen Headhunter beauftragt, sagte eine Person aus seinem direkten Umfeld. Ob der neue Telekom-Chef René Obermann mit Raizner zusammenarbeiten wolle, sei allerdings offen.
Der Vorstandsumbau soll in den kommenden Wochen von Obermann vorbereitet und möglicherweise bereits auf der turnusgemäßen Sitzung des Aufsichtsrats am 5. Dezember beschlossen werden, wie es in den Kreisen hieß. Obermann hatte gestern die Nachfolge von Kai-Uwe Ricke angetreten, der auf Druck der Großaktionäre Bund und Blackstone zurückgetreten war.
Wer folgt Obermann an die T-Mobile-Spitze?
Gesucht wird noch nach einem Nachfolger für Obermann an der Spitze von T-Mobile. Eine Zusammenlegung von T-Mobile und T-Com sei zwar nicht ausgeschlossen, vorerst aber nicht geplant, hieß es im Umfeld des Bonner Konzerns. Die Telekom lehnte einen Kommentar dazu ab.
Unklar ist, ob Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick seinen Hut nehmen wird. Der Manager, so wird in der Branche spekuliert, könnte an einem Vorstandsposten außerhalb der Telekom interessiert sein, weil er erneut bei der Neubesetzung der Telekom-Spitze nicht zum Zuge gekommen war. Bereits nach dem Rücktritt von Ron Sommer Mitte 2002 wurde Eick als ein möglicher Nachfolger gehandelt. Diesmal wurden ihm erneut Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz beim größten europäischen Telekommunikationskonzern nachgesagt. Eick hatte sich aber stets loyal sowohl damals zu Sommer wie auch zu Ricke gezeigt.
Laut den Kreisen steht der Vorstand für den Geschäftskundenbereich, Lothar Pauly, nicht zur Disposition. Der frühere Siemens-Manager war erst im Oktober vergangenen Jahres zur Telekom gewechselt, daher gebe es keine Veranlassung, Pauly abzulösen.
Der ehemalige Bereichsvorstand für Vertrieb und Service bei der Festnetzsparte T-Com, Achim Berg, verlässt dagegen die Telekom und wird zum Februar 2007 neuer Deutschlandchef von Microsoft . Berg trug seit Mai 2002 mit die Verantwortung für einen der heißesten Bereiche des Konzerns. Die Schwäche im deutschen Festnetzgeschäft ist das wohl gravierendste Problem der Telekom, das auch zum Sturz von Ricke beitrug.
kaz/dpa/ddp/Dow Jones