Neues Bahnangebot Lokführer rechnen mit eigenem Tarifvertrag
Frankfurt am Main - Im seit Monaten schwelenden Tarifstreit zwischen Bahn und Lokführern will das Unternehmen heute der Gewerkschaft GDL ein neues Angebot vorlegen. Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag und massive Lohnsteigerungen. Beide Seiten dementierten am Wochenende, dass es bereits eine Einigung auf einen eigenen Vertrag gegeben habe. Sie zeigten sich aber zuversichtlich, dass die Tarifverhandlungen nach Vorlage des Angebots wieder aufgenommen werden.
Die Bahn erklärte gestern, die Tarifeinheit stehe nicht zur Disposition. GDL-Chef Manfred Schell sagte dagegen, er rechne mit einem neuen Angebot, das einen eigenständigen Tarifvertrag, ein Lohnangebot und Arbeitszeitverbesserungen enthalte. Sollte die Bahn der GDL nicht entgegenkommen, werde der Arbeitskampf fortgesetzt. Wenn es weiter keine Einigung gebe, habe man "keine andere Möglichkeit, als wieder zum Arbeitskampf zu greifen".
Bahn und GDL wiesen Berichte zurück, wonach es bereits eine Einigung in dem Tarifstreit gebe. Bahnsprecher Oliver Schumacher sagte: "Die Deutsche Bahn AG weiß nichts von einer Einigung im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer." GDL-Chef Schell sagte dem Radiosender hr-Info: "Ich kenne keinen Kompromiss. Die Sachlage ist völlig unverändert. Wir erwarten am Montag das Angebot des Arbeitgebers und darüber hinaus ist mir gar nichts bekannt."
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" will die Bahn der Lokführergewerkschaft ein Angebot vorlegen, das "zu 90 Prozent" dem Tarifvertrag entspricht, den der Konzern Anfang Juli mit den beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA abgeschlossen hatte. Darüber hinaus sollten den Lokführern jedoch spezielle Zugeständnisse gemacht werden.
Dem Bericht zufolge sollten die Chancen für Aufstieg und Weiterbildung verbessert werden, die Bahn wolle sich auch das Zulagensystem nochmals "anschauen" - erwogen werde, dass beispielsweise für Fahrten ins Ausland mehr gezahlt werde. Außerdem wolle sich das Unternehmen um verlässliche Dienstpläne bemühen. Ein externer Sachverständiger solle Vorschläge für neue Gehaltsstrukturen machen.
Am Freitag hatte die GDL erstmals mit einem ganztägigen Streik den Nahverkehr in Deutschland lahm gelegt, nachdem sie zuvor immer nur drei Stunden gestreikt hatte. Laut Bahn fielen dabei rund ein Drittel der Nahverkehrszüge aus. Die GDL erklärte, 85 Prozent des Nahverkehrs seien zum Erliegen gekommen.
kaz/AP/dpa-AFX