Neues Transportflugzeug: Boeings Biest hebt ab - DER SPIEGEL
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Neues Transportflugzeug Boeings Biest hebt ab

Es ist groß - und es ist hässlich: Boeing hat für den Transport von Flugzeugteilen ein neues Riesenflugzeug konstruiert. Diesen Monat soll der "Dreamlifter" seinen Dienst aufnehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Boeing   muss große Flugzeugteile zwischen den verschiedenen Firmenstandorten transportieren. Dafür wurde eine Boeing 747 in Taiwan von Evergreen Aviation Technologies zum Riesentransporter "Large Cargo Freighter" umgerüstet. So schnell musste das Transportflugzeug den Probebetrieb aufnehmen, dass nicht einmal Zeit für einen weißen Anstrich blieb. Entsprechend unattraktiv sieht es aus.

Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge soll Boeing-Vizechef Mike Bair dem Flugzeug einen neuen Namen gegeben haben: "Biest". Boeing hat das für die 747 charakteristische Oberdeck entfernt und durch einen größeren, nach hinten gerückten Aufbau ersetzt.

Auf der Firmenwebseite präsentiert Boeing eine fertige Version - als Illustration aus dem Computer. Der "Large Cargo Freighter" erstrahlt im typischen Flugzeug-Weiß und trägt nun den Schriftzug "Dreamlifter". Glänzen soll der Lufttransporter aber nicht durch sein Aussehen, sondern durch seinen Stauraum: Rund 1900 Kubikmeter Fracht passen in den Flugzeugbauch, dreimal mehr als in eine gewöhnliche Boeing 747.

Insgesamt drei der Riesentransporter will Boeing dieses Jahr in Dienst stellen und damit Teile des neuen Modells 787 ("Dreamliner") zwischen verschiedenen Standorten transportieren. Noch diesen Monat soll die Produktion dieses Flugzeugtyps beginnen. Bis dahin müssen alle Testflüge des Transportflugzeugs absolviert sein. Der "Dreamliner" soll 2008 auf den Markt kommen und kann in verschiedenen Ausstattungen 210 bis 330 Passagiere befördern. Um Kosten zu sparen, werden Teile des Flugzeugs nicht nur an drei Standorten in den USA zusammengebaut, sondern auch in Japan und Italien. Der Transport ganzer Flugzeugsektionen über Land oder auf dem Seeweg würde Wochen und Monate kosten, mit dem "Large Cargo Freighter" schrumpft die Transportzeit auf wenige Stunden.

Auch Konkurrent Airbus fertigt an verschiedenen Standorten und unterhält deshalb eine kleine Flotte von großen Transportmaschinen. Fünf umgebaute A300 transportieren ganze Rumpfsektionen zwischen den Airbus-Standorten. Über ihre Schönheit lässt sich ebenfalls trefflich streiten. Die "Beluga" getauften Riesen fliegen nicht nur Teile des A380 nach Toulouse oder Hamburg, sondern können auch für andere Transportzwecke gechartert werden.

Transportflugzeuge im Vergleich

Antonov An-225 Airbus Beluga Boeing Dreamlifter Antonov An-124
Spannweite (m) 88,4 44,84 64,4 73,3
Länge (m) 84 54,16 73,6 68,96
Höhe (m) 18,1 17,34 21,54 20,78
Ladevolumen (m³) 1211 1365 1840 -
Nutzlast (t) 250 47 68 150
Ungefähre Werte, die Angaben zwischen verschiedenen Modellen derselben Serie können geringfügig abweichen.

Das größte in Serienherstellung produzierte Transportflugzeug ist die russische Antonow An-124. Ursprünglich 1982 für das Militär der Sowjetunion entwickelt, kann die An-124 ganze Lokomotiven transportieren. Je nach Flugdistanz können bis zu 150 Tonnen Fracht über die aufklappbare Nase des Flugzeugs geladen werden. Eine spezielle Version, die An-225, hob erstmals 1988 ab - die große Schwester der An-124 sollte Raumfähren transportieren. Nur ein Exemplar des Riesenflugzeugs wurde gebaut. Nach dem Ende des sowjetischen Shuttle-Programms wird das Flugzeug als Schwertransporter genutzt.

Boeing hat seinen Lufttransporter in den vergangenen vier Monaten ausführlich getestet. Wie groß dieses Flugzeug ist, haben ein Fluglehrer und sein Schüler in ihrer kleinen Propellermaschine bereits zu spüren bekommen. Während eines Landeanflugs mit ihrer Cessna kamen sie dem "Dreamlifter" zu nahe und wurden durch die enormen Turbulenzen durch die Luft geschleudert. Im letzten Moment gelang ihnen eine Notlandung.