Neues Verfahren Schufa will Kleinschuldner milder behandeln
Wiesbaden - Die Wirtschaftsauskunftei will nach eigenen Angaben unter bestimmten Bedingungen künftig darauf verzichten, säumige Kleinschuldner in ihr berüchtigtes Register einzutragen. Wenn ein Kreditnehmer eine Summe von unter 1000 Euro nicht zurückzahlt, wird die Schufa ihn künftig zunächst anschreiben. Danach hat er einen Monat lang die Möglichkeit, die Summe doch noch zu begleichen.
Folgt der Kreditnehmer dem Aufruf, erspart er sich den bisher üblichen negativen Schufa-Eintrag. Voraussetzung für dieses mildere Verfahren ist jeweils, dass auch der Kreditgeber - etwa Banken, Mobilfunkfirmen oder Versandhändler - der milderen Behandlung zustimmen.
Rettung für die Handy-Kids
Bisher werden Schufa-Meldungen über geplatzte Kredite unabhängig von der Höhe des Betrags drei Jahre gespeichert. Die Betroffenen bekommen damit erhebliche Probleme, sich bei Banken erneut Geld zu leihen oder etwa einen Handy-Vertrag abzuschließen.
Schufa-Sprecher Stefan Horst sagte, das neue Verfahren sei in einem Pilotversuch mit Schuldnern getestet worden, die beim Mobilfunkanbieter Vodafone in der Kreide standen. Auch Vodafone hat damit gute Erfahrungen gemacht, weil viele Schuldner nach der "Warnung" durch die Schufa doch noch bezahlten. Nun würden weitere Testprojekte bei Banken und Versandhandelsfirmen gestartet, so Horst weiter. Wenn auch sie positiv verliefen, könne die Neuerung zum Jahresende allen Schufa-Kunden angeboten werden.
Mit der Initiative reagiert die Schufa nach eigenen Angaben auch auf Kritik von Verbraucherschützern. Viele Verbraucher hätten nur sehr geringe Zahlungsrückstände von einigen hundert Euro. Die Zahl dieser Kleinschuldner hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Kleinere Zahlungsausfälle etwa bei Handy-Kunden sind aber nicht unbedingt immer ein Zeichen längerfristiger Kreditunwürdigkeit.
Die Schufa hat über 340 Millionen Datensätze von 62 Millionen Bürgern gespeichert.