New Economy Dot.coms in Geldnot
New York - Dies geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie hervor, die das Marktforschungsinstitut Pegasus Research International für die Finanzzeitung Barron's erstellt hat. "Der finanzielle Druck ist so stark wie nie zuvor", erklärte Greg Kyle, Präsident von Pegasus Research.
In der Studie wurden insgesamt 335 Unternehmen analysiert. Auf Basis dieser Daten rechneten die Experten hoch, dass die börsennotierten Internetfirmen im dritten Quartal 2000 insgesamt rund zwei Milliarden Dollar verbraucht haben - ungefähr die gleiche Summe wie im Quartal zuvor. "Das kann nicht ewig so weitergehen, zumal viele Dot.coms nur noch über geringe Bargeldreserven verfügen", warnte Kyle.
Auf seiner Website hat Barron's eine Liste der am stärksten unter Druck geratenen Dot.coms veröffentlicht. Für 15 Unternehmen werde es schon kritisch, denn sie hätten schon seit dem vierten Quartal 2000 keine Reserven mehr. Als einziger Ausweg bliebe vielen Unternehmen nur der Weg über zusätzliche Anleihen oder Kredite.
Ganz oben auf der Liste der gefährdeten Kandidaten steht der Internet-Service-Provider Choice One Communications, obwohl er sich in letzter Minute durch eine Anleihe in Höhe von 180 Millionen Dollar noch eine Galgenfrist verschaffen konnte. Auf der Basis der bisherigen Ausgaben könnte dieses Geld zwar noch neun Quartale reichen, kalkulieren die Experten; aber Choice One wolle eine neue Offensive starten, um seinen Konkurrenten Marktanteile abzujagen, was viel Geld kosten werde.
Bluefly, ein Onlinehändler für Billigkleidung, ist nach Einschätzung der Barron's-Autoren ein zweiter Kandidat, den die Anlegern sorgfältig beobachten sollten. Mit einem 15-Millionen-Dollar-Kredit von Fonds-Tycoon George Soros sollte Bluefly für die ersten Wochen in 2001 ausreichend versorgt sein, schätzt Kyle. Doch wenn sich die Geschäfte nicht durchgreifend verbesserten, dürften bis zum Oktober die letzten Reserven aufgebraucht sein.
Für die Investoren bietet die angespannte Lage in der New Economy nach Ansicht der Experten allerdings auch ihr Gutes, denn die Einstiegspreise sind so günstig wie lange nicht mehr. Das Kunststück bestehe nur darin, die Unternehmen ausfindig zu machen, die die brutale Auslese überleben werden.