Nicht mit Gewalt
Hans Greller entschloß sich erst zwei Tage vor Eröffnung der Rosenheimer Südost-Messe, seine billigen Musterschuhe auszustellen. Im Ausstellerverzeichnis standen von der Firma Greller & Co. zuerst nur Gummi-Verarbeitungsmaschinen.
Aber die Arbeiterinnen seines kleinen Betriebes ließen nicht locker. »Die Schuhe müssen an die Oeffentlichkeit«, bohrten sie, obwohl erst Ende Mai die Muster fertig waren. Zwei volle Tage und Nächte wurden freiwillig für die letzten Vorbereitungen geopfert. Grellers Sache ist auch ihre Sache. Seine Arbeiter und Arbeiterinnen sind mit 15 Prozent am Gewinn der Firma beteiligt.
»Ich glaube, wir kommen mit unseren Schuhen gerade im rechten Moment heraus«, verscheucht Greller alle Absatzsorgen. »Die wirtschaftliche Lage wird sich in den nächsten Monaten noch ein wenig anspannen, so daß sich die arbeitende Bevölkerung die noch sehr teuren Lederschuhe einfach nicht leisten kann.«
Das Schönste an den Greller-Schuhen ist ihr Preis. Ein Paar moderne Damenschuhe kosten 7 bis 9 D-Mark. Sie sind aus achtfach gemischtem Gummi und einem kaschierten Stoff hergestellt. Der Schuh hat eine abriebfeste elastische Sohle und ein luftdurchlässiges Oberteil.
»Unsere Schuhe kann man quetschen und drücken, ohne daß sie darunter leiden«, behauptet Greller und stellt sich balancierend auf eine zierliche Schuhkappe. Die Sohle ist auch mit Gewalt nicht vom Oberleder zu trennen. Greller & Co. garantieren eine Mindest-Haltbarkeitsdauer von zwei Jahren, bei täglichem Gebrauch auf der Straße.
Der Gummischuster ist schon lange bei seinen Leisten. Auch sein Kompagnon und Chefchemiker Dr. Hundsberg bereitete sich schon bei dem tschechischen Schuhkönig »Bata« auf seine eigene Produktion vor. Der Gummi-Volksschuh bleibt vorläufig auf drei Grundtypen beschränkt: Kinderschuh, Schnallenschuh und Pumps. Kinderschuhe kosten 5 DM das Paar.
»Später werden wir auch Herrenschuhe fabrizieren«, verrät Greller. Er besitzt auch darin eigene Erfahrung. Vor acht Jahren hat er für sich selbst ein Paar aus Gummi angefertigt. Er trägt sie heute noch.