Nierenleiden Gasprom-Chef schwer erkrankt
Moskau - Bei der Entfernung von Nierensteinen sei es zu Komplikationen gekommen, so dass Miller weiter unter ärztlicher Beobachtung bleiben müsse, teilte Konzernsprecher Sergej Kuprijanow heute in Moskau mit. Der Gasprom-Chef sei aber auf dem Weg der Besserung. Nach Angaben der Agentur Interfax hat Miller ein chronisches Nierenleiden.
Die Teilnahme Millers am St. Petersburger Energieforum vom 8. bis 10. Juni wurde abgesagt. Eine Ablösung Millers sei aber kein Thema, berichtete die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" unter Berufung auf den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Gasprom-Aufsichtsratschef Dmitri Medwedew.
Miller ist vor sechs Jahren von Russlands Präsident Wladimir Putin zum Gasprom-Vorsitzenden ernannt worden. Er gilt als enger Vertrauter Putins, beide stammen aus Petersburg.
Der vom Kreml kontrollierte Energie-Multi ist der weltweit größte Erdgasproduzent und das nach Marktkapitalisierung teuerste Unternehmen Europas. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Kunde von Gasprom im Ausland. 2005 steigerte der Konzern die Gasgewinnung um 2,8 Milliarden auf 547,9 Milliarden Kubikmeter. Der Reingewinn lag nach eigenen Angaben bei umgerechnet 5,98 Milliarden Euro. Miller will Gasprom zum weltweit größten Energieunternehmen machen.
Helfen soll dabei auch ein Gesetz, dass das Engagement ausländischer Konzerne in Russland deutlich einschränken soll. Das Gesetz werde Vorkommen mit strategischer Bedeutung auflisten, zu denen ausländische Investoren keinen Zugang erhalten, sagte Waleri Jasew, Vorsitzender des Duma-Ausschusses für Energie, Transport und Kommunikation, der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch. Inwieweit beispielsweise Gas-, Gold- oder Kupfervorkommen als strategisch eingestuft würden, werde konkret für jede Lagerstätte getroffen und langfristig gelten. "So besteht Klarheit", sagte Jasew. Das Gesetz werde zu keiner Revision bestehender Verträge mit ausländischen Investoren führen.
Russland habe kein Interesse mehr an reinen Finanzinvestitionen, sagte Jasew der Zeitung. "Die Grundlage künftiger Verträge wird ein Austausch von Beteiligungen sein". Kooperationen wie zwischen Gasprom und BASF sollten dagegen weiterentwickelt werden. Jasew wies dabei westliche Kritik zurück, Gasprom würde zu sehr mit Investitionen auf westliche Märkte drängen und zu wenig in seine Infrastruktur in Russland investieren. Gasprom investiere jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar in die Förderung und die Transportinfrastruktur.
Russland ist in die Kritik geraten, bei großen Rohstoffprojekten wie die Ausbeutung bedeutender Öl- und Gasvorkommen ausländische Kapitalgeber herausdrängen zu wollen. Das Land ist unter Präsident Wladimir Putin verstärkt dazu übergegangen, ausländische Unternehmen nur noch als Minderheitspartner von Staatskonzernen an Großprojekten zu beteiligen. Deutsche Konzerne sind nach diesem Modell etwa an der Ausbeutung von Gasfeldern in Sibirien oder beim Bau der Ostsee-Pipeline zusammen mit Gasprom aktiv.
mik/dpa/Dow Jones/AFP