Niki Lauda Zwischen Boxengasse und High Society
Wien - Er gilt als begnadeter Selbstdarsteller und als überall präsente Society-Größe. Seine Heimat verehrt den dreifachen Formel-1-Weltmeister schlicht als "Niki Nationale". Doch zumindest sein Ansehen als erfolgreicher Firmenchef hatte zuletzt arg gelitten. In der beinharten Auseinandersetzung mit den Austrian Airlines (AUA) hatte deren Anwalt, Ewald Weninger, erst am Vortag geringschätzig formuliert: "Niki Lauda? Wer war das? Er wird ein fröhliches Societymitglied bleiben!"
Schon in frühester Jugend begeisterte sich der am 22. Februar 1949 als Sohn einer wohlhabenden Wiener Familie geborene Lauda für den Motorsport. 1975 wurde er mit Ferrari erstmals Formel-1-Weltmeister. Am 1. August 1976 raste er auf dem Nürburgring mit 220 Stundenkilometern von der Strecke. Der 27-Jährige entkam nur knapp mit schwersten Verletzungen dem Flammentod. Die Narben dieses Unfalls zeichnen auch heute noch sein Gesicht. Doch sechs Wochen später saß er schon wieder im Rennwagen.
Zwei Jahre nach seinem zweiten WM-Titel gründete Lauda 1979 seine eigene Fluggesellschaft, die Lauda Air. Im gleichen Jahr erklärte er seinen Rücktritt aus der Formel 1. Wegen finanzieller Probleme kehrte er jedoch 1982 doch noch einmal in den Rennsport zurück, um 1984 auf einem McLaren zu seinem dritten Titel zu fahren. Nach 171 Großen Preisen, von denen er 25 gewann, kehrte er dem Rennsport endgültig den Rücken.
Lauda konzentrierte sich auf den Aufbau seiner Fluggesellschaft, die sich die Feindschaft des bisherigen nationalen Platzhirschen, der teilstaatlichen AUA, zuzog. Doch auch durch seine besten privaten Verbindungen zu Spitzenpolitikern des Landes erhielt er kurz nach dem Gang an die Börse 1990 die weltweite Linienkonzession. 1997 begruben die beiden Airlines überraschend ihre Rivalität. Die AUA stieg bei Lauda Air ein.