Noch eine Nullrunde: Rentner müssen 2005 wieder verzichten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Noch eine Nullrunde Rentner müssen 2005 wieder verzichten

Neue Belastungen für Rentner und Beitragszahler: Die 20 Millionen Pensionäre in Deutschland werden auch im kommenden Jahr keine Rentenaufbesserung bekommen. Der offizielle Schätzerkreis spricht außerdem schon von der nächsten Beitragserhöhung für die Rentenversicherung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf/Kassel - Unter anderem wegen der geringen Lohnsteigerungen in diesem Jahr werde es "nur eine Nullanpassung geben können", sagte der Vorstandschef des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Alexander Gunkel. Allein durch die gesetzliche Sicherungsklausel werde eine "Minusanpassung" verhindert. Zuvor hatte bereits das "Handelsblatt" von der drohenden Nullrunde berichtet.

Diese muss nicht eigens von der Regierung verordnet werden. Sie ergibt sich aus der neuen Rentenformel. Nach Berechnungen des Schätzerkreises der Rentenversicherung, in dem die Rentenkassen, das Sozialministerium und die Aufsichtsbehörde vertreten sind, ist 2004 die versicherungspflichtige Lohnsumme je Arbeitnehmer nur um 0,6 Prozent im Westen und 0,7 Prozent im Osten gewachsen.

Rechnerisch sogar Rentenkürzung nötig

Um die Rentenanpassung 2005 zu ermitteln, wird von diesen Werten der Riester-Faktor von 0,6 Prozentpunkten und der Nachhaltigkeitsfaktor von 0,7 Punkten abgezogen. Rechnerisch ergäbe sich damit eine Rentenkürzung, die durch das Gesetz aber verhindert wird. Das Bundessozialministerium verwies am Mittwoch darauf, die Rentenhöhe werde erst im Frühjahr endgültig festgelegt.

Im Gutachten des Schätzerkreises heiße es, die Festlegung der Bundesregierung, den Beitragssatz im kommenden Jahr bei 19,5 Prozent zu belassen, beruhe auf optimistischen Annahmen, so das "Handelsblatt" weiter. Sollte die Konjunktur schlechter laufen als unterstellt, müsse der Beitrag 2006 angehoben werden.

Trotz Nullrunde bliebe die Lage der Rentenkassen prekär. Bei Eintreten der Wachstumsprognose der Regierung würde die eiserne Reserve der Kassen laut Schätzerkreis Ende 2005 auf den Mindestwert von 20 Prozent einer Monatsausgabe fallen. Dabei sind aber Risiken wie die Entwicklung des Bundeszuschusses und der Arbeitslosenbeiträge unberücksichtigt. Sinkt die Reserve weiter, muss der Beitrag angehoben werden.