Nokia Keine Lust mehr auf Finnland
Helsinki - Konzernchef Jorma Ollila verkündete im TV-Sender YLE eine Nachricht, die im Regierungssitz in Helsinki die Alarmglocken schrillen lässt: Nokia überlegt, bis zum Jahresende 2006 aus Finnland auszuwandern. Die Steuern in dem nordischen Staat seien auf Dauer untragbar, begründete Ollila die Ankündigung.
Branchenbeobachter halten neben einem Wegzug auch für denkbar, dass Ollila der Regierung einfach nur die Daumenschrauben anlegen will. Sein Ziel: drastische Steuersenkungen zu erreichen. Nach Zahlen des finnischen Statistischen Zentralamtes lag der Anteil der Steuereinnahmen am Bruttoinlandsprodukt, die so genannte Steuerquote, in Finnland zuletzt bei 46,2 Prozent, verglichen etwa mit rund 37 Prozent in Deutschland und Großbritannien.
Für Finnland hätte ein Wegzug seines wichtigsten Unternehmens weitaus gravierendere Auswirkungen als für Nokia. Noch arbeiten 40 Prozent aller Nokia-Angestellten in Finnland, aber Nokia erzielt dort nur ein Prozent seiner Umsätze. Derzeit befinden sich neben der Unternehmensführung auch der Hauptsitz und der Großteil der Forschungsabteilung in Finnland.
An der Börse in Helsinki ist Nokia höher bewertet als alle anderen Firmen zusammen. Außerdem ist das Telekom-Unternehmen für rund ein Viertel des gesamten finnischen Exportes und für praktisch die gesamte privat finanzierte Forschung im Land verantwortlich.
Holz- und Papierkonzerne wie Stora Enso und UPM-Kymmene, die zu den anderen Schwergewichten der finnischen Wirtschaft zählen, erzielen nur rund ein Drittel des Nokia-Umsatzes.
Der finnische Wirtschaftsanalytiker Jyrki Ali-Yrkkö sagt: "Finnland ist von einem einzigen Unternehmen stärker abhängig als jedes andere westliche Land. Leute im Ausland denken bei Finnland sogar oft nur an Nokia."