Nokia-Quartal: Gestiegener Gewinn, schwächelnde Aktie - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nokia-Quartal Gestiegener Gewinn, schwächelnde Aktie

Das weltweite Handy-Geschäft läuft gut, und so kann auch der größte Hersteller Nokia mit seinen Geschäften zufrieden sein. Im abgelaufenen Quartal verbuchte der Marktführer einen Überschuss von 1,14 Milliarden Euro. Allerdings verloren die Finnen etwas an Marktanteilen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Helsinki - Die Leute bekommen einfach nicht genug von Handys - der weltweite Absatz boomt nach wie vor. So verzeichnete auch der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia   vor allem im Handy-Geschäft Zuwächse, in dem der Umsatz um rund ein Fünftel anzog. Der Verkauf von Mobilfunktelefonen erhöhte sich im abgelaufenen Quartal um 29 Prozent auf 78,4 Millionen, teilte das Unternehmen jetzt mit. Allerdings sackte der Marktanteil gegenüber dem Auftaktquartal um einen Prozentpunkt auf 34 Prozent ab.

Insgesamt beläuft sich der Überschuss des Unternehmens im abgelaufenen Quartal auf 1,14 Milliarden Euro und liegt damit deutlich über dem Vorjahreswert von 799 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 22 Prozent von 8,1 Milliarden auf 9,81 Milliarden Euro. Mit einem Gewinn pro Aktie in Höhe von 28 Cent übertraf die Gesellschaft die Prognosen vieler befragter Analysten, die mit 24 Cent gerechnet hatten.

Trotz der grundsätzlich guten Zahlen reagierte die Börse alles andere als begeistert auf die heutigen Nachrichten von Nokia. Nach zwischenzeitlichen Kursgewinnen drehte der Titel ins Minus und verlor zuletzt 0,77 Prozent auf 15,44 Euro. "Der Gewinn pro Aktie und Umsatz fielen zwar höher als erwartet aus, allerdings ging der Marktanteil leicht zurück. Zudem hat die Netzwerk-Sparte enttäuscht", erklärte ein Händler die Zurückhaltung.

Im laufenden Quartal will Nokia den Marktanteil aber stabil halten. Für das Gesamtjahr rechnet die Gesellschaft weiterhin mit einem branchenweiten Absatz von 915 Millionen Handys. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Gerät (ASP) werde aber weiter unter Druck bleiben, da die Nachfrage vor allem aus Schwellenländern komme, hieß es heute. Im zweiten Quartal sank der ASP von Nokia gegenüber dem Vorjahr um drei Euro auf 102 Euro. "Wir müssen noch billiger werden", sagte CEO Olli-Pekka Kallasvuo dem Fernsehsender CNBC Europe deshalb.

Der Markt für Netzinfrastruktur dürfte 2006 gemessen in Euro moderat zulegen, bekräftigte der Konzern bisherige Prognosen. Das Unternehmen selbst strebe sowohl im Handy- als auch im Infrastrukturmarkt einen höheren Marktanteil an.

Dabei profitiert der Konzern von seiner frühen Präsenz in vielen Schwellenländern vor allem in Asien, wo es vielerorts einen Marktanteil von über 50 Prozent hat. Allerdings ist die weltweite Konkurrenz hart. So verbuchten etwa die Wettbewerber LG und Sony Ericsson beim Handyabsatz in den vergangenen Monaten ähnliche Zuwachsraten wie Nokia. Nokias größter Rivale, der Branchenzweite Motorola, steigerte seine Auslieferungen im Frühjahr sogar um mehr als 50 Prozent und will dieses Wachstum auch im Sommer halten. Motorola-Aktien legten so nach Vorlage der Quartalszahlen gestern Abend vorbörslich um mehr als zehn Prozent zu.

ase/dpa-AFX/Dow Jones/reuters