Nokia-Siemens-Network: Spätstart kostet Siemens Millionen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nokia-Siemens-Network Spätstart kostet Siemens Millionen

Nun hat es doch noch geklappt: Mit drei Monaten Verzögerung geht am 1. April der gemeinsame Netzwerkausrüster von Nokia und Siemens an den Start - ein Marktriese. Doch der durch die Siemens-Affäre verursachte Spätstart kostet den Mischkonzern eine dreistellige Millionensumme.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Nokia Siemens Networks mit Sitz in Helsinki werde im kommenden Monat seine Geschäftstätigkeit aufnehmen, teilten die Technologiekonzerne mit. Damit entsteht einer der größten Netzwerkausrüster der Welt. In das Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Partner jeweils zur Hälfte beteiligt sind, gliedert Siemens den größten Teil seiner Telekommunikationssparte Com aus, die im Zentrum der Affäre um schwarze Kassen steht.

Der Münchener Elektronikkonzern wird den Angaben zufolge Netto-Vermögenswerte wie Fabriken und Patente in Höhe von 2,4 Milliarden Euro in das Joint Venture einbringen, Nokia   1,7 Milliarden Euro. Als Mindestsumme waren 1,6 Milliarden Euro für jeden Partner vereinbart worden. Siemens   macht aber mehr Geld locker als Nokia, unter anderem weil die Schmiergeld-Affäre bei den Münchnern den für Anfang Januar geplanten Start verzögerte.

Da das Netzwerkgeschäft von Siemens jedoch größer sei als das von Nokia, sei der Konzern ohnehin von einem höheren Wert ausgegangen, sagte eine mit der Situation vertraute Person heute. Als Kompensation für die Verzögerung und die daraus entstandene Unsicherheit bei Nokia und bei potenziellen Kunden lege Siemens einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag oben drauf. Zudem übernehmen die Münchner eventuelle weitere Risiken aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

Synergieeffekte in Milliardenhöhe

Als Konsequenz aus der Affäre bei Siemens sollen für das Gemeinschaftsunternehmen strenge Verhaltensrichtlinien gelten, "die Maßstäbe in der gesamten Industrie setzen werden", wie es in einer Mitteilung hieß. Nokia Siemens Networks habe eine klare Anti-Korruptionspolitik definiert. "Integrität wird ein äußerst wichtiger und zentraler Bestandteil der Firmenkultur sein", erklärte der designierte Vorstandschef Simon Beresford-Wylie.

Deutschlands größter Elektronikkonzern und der weltgrößte Handy-Hersteller hatten sich im Juni 2006 darauf geeinigt, ihre Netzwerkgeschäfte mit insgesamt rund 17 Milliarden Euro Umsatz zusammenzulegen, um in einem Markt mit immer größeren Wettbewerbern mithalten zu können. Nokia Siemens Networks will vor allem den Branchenriesen Alcatel-Lucent  -Lucent, Ericsson   und Cisco   Konkurrenz machen.

Das Joint Venture soll bis 2010 Synergieeffekte von rund 1,5 Milliarden Euro erzielen. Dazu sollen mittelfristig 6000 bis 9000 der insgesamt knapp 60.000 Stellen wegfallen. Wo und wann die Jobs gestrichen werden, ist noch nicht bekannt. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte die krisengeschüttelte Com-Sparte im Zuge eines radikalen Konzernumbaus ausgegliedert. Zuvor hatte er bereits das verlustreiche Handygeschäft an die taiwanische BenQ   verschenkt. Im Oktober vergangenen Jahres steuerte die ehemalige Siemenssparte in die Pleite.

ase/dpa-AFX/Reuters