Notbremse Chrysler drosselt Produktion
Stuttgart - In der zweiten Jahreshälfte werden voraussichtlich nur noch 705.000 Chrysler-Modelle an die Händler ausgeliefert, teilte der Konzern in Stuttgart in einer Analystenkonferenz mit. Damit sollen 135.000 Fahrzeuge weniger als bisher geplant geliefert werden. Auf diese Weise will DaimlerChrysler den ungewöhnlich hohen Fahrzeugbestand bei den Chrysler-Händlern senken und Platz für neue, spritsparendere Modelle schaffen, die in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen sollen.
Neben der Rabattschlacht fordern auch die hohe Treibstoffpreise ihren Tribut bei dem Konzern. Vor allem japanische Fahrzeughersteller setzten Chrysler mit ihrer verbrauchsärmeren Modell-Palette unter Druck, räumte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche vor den Analysten ein. Die Fahrzeugbestände bei den Händlern seien "ungesund hoch". Chrysler-Chef Tom LaSorda nahm an der Veranstaltung nicht teil, obwohl die US-Tochter dem deutsch-amerikanischen Konzern mit ihren erneuten Verlusten in diesem Jahr die Gewinnprognose verhageln wird.
Denn die Probleme bei Chrysler schlagen deutlich auf den Konzern durch. Zetsche kann für 2006 nur noch auf einen operativen Gewinn von höchstens rund fünf Milliarden Euro hoffen. Im Juli hatte er noch einen Betriebsgewinn von mehr als sechs Milliarden Euro versprochen. Nach einer entsprechenden Gewinnwarnung war der Aktienkurs des Autobauers letzte Woche zwischenzeitlich um über sechs Prozent eingebrochen. Das Image des Hoffnungsträgers Zetsche - in Personalunion Chef von DaimlerChrysler und Leiter der seit langem in der Sanierung steckenden Mercedes-Pkw-Gruppe - erlitt durch diesen Rückschlag erhebliche Schrammen.
Für ihn habe die Sanierung von Chrysler Vorrang vor personellen Konsequenzen und einer Änderung der Zuständigkeiten, sagte der Konzernchef jetzt. "Für personelle Veränderungen sehe ich keinen Raum." Doch die Probleme bei Chrysler, die jetzt wieder aufgetaucht seien, seien mit den jetzt getroffenen Maßnahmen längst nicht vom Tisch. Bei den Zulieferern will Chrysler im vierten Quartal auf geringere Einkaufspreise dringen, mit der US-Gewerkschaft sollen außerdem im nächsten Jahr erneut die Zuzahlungen für die Krankenversicherung der Mitarbeiter und Pensionäre neu verhandelt werden.
2007 soll Chrysler so die Krise überwunden haben und von acht überwiegend kleineren neuen Modellen profitieren. "Nach der jüngst aufgenommenen Fahrzeugproduktion in China und dem Verkauf von Chrysler-Autos in den meisten internationalen Märkten wird der Absatz zulegen", stellte das Unternehmen für 2007 und danach in Aussicht. Neue Kleinwagen der Marken Chrysler, Jeep und Dodge kämen dem Wunsch der Verbraucher nach verbrauchsärmeren Autos stärker entgegen als die angestammte Modellpalette, sagte Zetsche. Der US-Autobauer hat sich zuletzt vor allem auf hochmotorisierte und spritschluckende Geländewagen und Kleintransporter (Pickups) spezialisiert, die mehr als zwei Drittel des in Nordamerika erzielten Umsatzes ausmachen. An der Börse behaupteten sich die DaimlerChrysler-Aktien bei 38,82 Euro.
ase/dpa/reuters