Notbremse Ford drosselt US-Produktion drastisch
Detroit - "Wir wissen, dass diese Entscheidung tief greifende Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter und unsere Zulieferer haben wird", schrieb Unternehmenschef Bill Ford an die Beschäftigten. Der Schritt sei aber notwendig, um das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zurückzuführen.
Zuvor hatte der Konzern angekündigt, die US-Produktion im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent oder 168.000 Einheiten zurückzufahren. Die Produktion im laufenden dritten Quartal wird nach Angaben des Konzerns um 20.000 Einheiten unter dem bisherigen Ansatz liegen. Im gesamten Jahr 2006 will Ford neun Prozent weniger Fahrzeuge herstellen als im vergangenen Jahr.
Den Einschnitten war ein massiver Absatzeinbruch im Juli vorausgegangen, als der Autobauer mit 241.339 Wagen ein Drittel weniger verkaufte als im Monat zuvor. Im zweiten Quartal hatte Ford einen Verlust von 123 Millionen Dollar eingefahren.
Das "Wall Street Journal" berichtete, Ford wolle auch Stellen im Management streichen, um die Gehaltskosten in den USA um weitere zehn bis 30 Prozent zu reduzieren. Laut US-Wirtschaftsagentur "Bloomberg" sollen im kommenden Monat in Nordamerika 6000 Stellen von Angestellten wegfallen. Dies wären mehr als 16 Prozent der Angestellten. Dabei setze der Konzern zunächst auf freiwillige Vereinbarungen mit Abfindungen, ehe auf Entlassungen zurückgegriffen werde. Ein Ford-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.
Der Restrukturierungsplan "Way Forward" werde nun möglicherweise beschleunigt, berichtet das "Wall Street Journal" weiter. Ford hatte im Januar im Rahmen des Plans angekündigt, dass 30.000 nordamerikanische Stellen gestrichen und bis 2012 insgesamt 14 Fabriken geschlossen werden sollten, vier davon sollten bereits in den kommenden zwei Jahren dicht gemacht werden.
Jetzt werde geprüft, ob die Schließungen beschleunigt werden müssten. Ford ziehe die Ankündigung weiterer Werksaufgaben in Erwägung. Der Konzern rutschte zuletzt wegen seines schrumpfenden Marktanteils und steigenden Kosten in die roten Zahlen. Vor allem die Nachfrage nach seinen spritschluckenden Geländewagen brach wegen der Rekordpreise für Benzin ein. Dagegen gewinnen seit einiger Zeit japanische und europäische Konkurrenten Marktanteile.
ase/AP/dpa/reuters