Notopfer Polen
Der Bundeskanzler und sein Innenminister wollen die Staatsdiener in diesem Jahr mit einem außenpolitischen Argument auf niedrige Lohnabschlüsse einstimmen. Beim letzten Spitzengespräch mit den Chefs der Beamtenorganisationen über den Besoldungsanstieg begründete Innenminister Gerhart Baum den Zwang zum Knausern auch damit, daß die Bundesrepublik verpflichtet sei, Polen finanziell zu unterstützen. Bundeskanzler Helmut Schmidt ging in der Fraktionssitzung der SPD am Dienstag vergangener Woche sogar noch einen Schritt weiter. »Wegen Polen müssen wir den Gürtel alle enger schnallen«, verkündete er seinen Genossen. Den jährlichen Kreditbedarf Warschaus bezifferte der Kanzler auf zehn Milliarden Dollar. Die Bundesrepublik hat Polen in den vergangenen Jahren mehr gepumpt als alle anderen Länder der Welt. Die Bürgschaftsverpflichtungen summieren sich auf über neun Milliarden.