Notstand durch alte Tanker? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 33 / 115

ENERGIE Notstand durch alte Tanker?

• aus DER SPIEGEL 16/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Italiens Regierung will für mehr Sicherheit auf See sorgen - und beeinträchtigt damit möglicherweise die deutsche Ölversorgung. Öltanker ohne Doppelhülle oder vergleichbare Vorkehrungen dürfen von Ende April an nicht mehr die sieben großen italienischen Häfen anlaufen, darunter Venedig, Genua und der für die deutsche und österreichische Versorgung lebenswichtige Adria-Hafen Triest. »Damit sind wir in Europa und weltweit führend beim Schutz vor Ölkatastrophen«, begründet der italienische Umweltminister Willer Bordon den Vorstoß. Der könnte jedoch das Umweltrisiko aus dem Mittelmeer in die nordeuropäischen Gewässer verlagern. Weil bisher nur knapp 70 Prozent des Rohöls in Tankern mit dem verlangten Sicherheitsstandard nach Italien transportiert werden, müsste der Rest nun durch modernere Tankschiffe ersetzt werden. Solche Schiffe könnten hauptsächlich aus der Nord- und Ostsee abgezogen werden. Die Folge: Dort steigt das Unfallrisiko durch eine zunehmend alte Flotte. Doch das ist nicht alles: Weil insgesamt Hightech-Tanker fehlen, fürchten die Betreiber der Pipeline von Triest nach Deutschland und Österreich, Transalpine Oelleitung (TAL), einen Ölnotstand. Jährlich 24 Millionen Tonnen Rohöl erhalten Bayern und Baden-Württemberg über die TAL, die Menge entspricht beinahe einem Viertel des deutschen Rohöl-Gesamtbedarfs; er wird in den Raffinerien bei Ingolstadt und Karlsruhe verarbeitet. Österreich ist sogar zu 75 Prozent von der italienischen Zufuhr abhängig. Die TAL will gegen das Dekret, das für den 23. April erwartet wird, in Italien klagen.

Zur Ausgabe
Artikel 33 / 115