NRW-Metaller Durchbruch nach Sitzungsmarathon
Düsseldorf - Die Lohnvereinbarung für die rund 750.000 Beschäftigten der Branche hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen sollen zum 1. Mai um drei Prozent steigen. Vom 1. Mai 2001 an sollen sie um weitere 2,1 Prozent erhöht werden. Außerdem wurde ein erweitertes Modell der Alterteilzeit vereinbart.
Nach den bisher schleppenden Tarifverhandlungen hatte die IG Metall für diese Woche Warnstreiks in mehreren Tarifbezirken angekündigt. Der Gewerkschaftsvorstand will jetzt am Nachmittag über eine mögliche Übernahme für andere Gebiete beraten. Der Düsseldorfer Verhandlungsführer der IG Metall, Harald Schartau, sieht "gute Chancen", dass dies gelingen könnte. Die IG Metall hatte zu Beginn der Tarifrunde die Rente mit 60 sowie 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert.
Schartau und der Verhandlungsführer der Metall-Arbeitgeber, Martin Kannegiesser, nannten die Vereinbarungen einen "tragfähigen Kompromiss". "Wir haben einen vernünftigen Weg gefunden", sagte Kannegiesser. Der neue Einkommenstarifvertrag sei für die Mehrzahl der Betriebe erträglich. Er orientiere sich am erwarteten Produktivitätszuwachs. Schartau hob die Drei beim Lohnabschluss als Erfolg für die Gewerkschaften hervor.
Die Vereinbarungen zum Altersteilzeitmodell nannte Schartau "eine Beschäftigungsbrücke, die begehbar ist". So könnten Anstellungsmöglichkeiten für junge Arbeitnehmer geschaffen werden. Der Tarifvertrag sieht vor, dass Beschäftigte ab dem 57. Lebensjahr ein Recht auf eine bis zu sechsjährige Altersteilzeit erhalten. Bis zum 60. Lebensjahr sollen sie dann bei voller Arbeitszeit 82 Prozent des Netto-Tariflohns erhalten. Anschließend gehen sie zu den gleichen Bezügen bis zum 63. Lebensjahr in den Vorruhestand.
"Überlastschutz" für Betriebe
Nach Angaben von Kannegiesser sollen die Betriebe durch einen "Überlastschutz" vor zu großen Belastungen durch die Altersteilzeit bewahrt werden. In den ersten beiden Jahren der Laufzeit des Tarifvertrags können vier Prozent der Beschäftigten die Altersteilzeit nutzen, im dritten Jahr fünf Prozent. Damit werde ein "Ausbluten" der Betriebe verhindert, sagte Kannegiesser. Die "Beschäftigungsbrücke" könne zu einem wichtigen Instrument für Strukturveränderungen in den kleinen und mittleren Unternehmen werden. "Damit haben wir eine mittel- und längerfristig verlässliche Basis für unsere Betriebe", sagte er.
Schartau sagte, man habe mit dem Tarifvertrag zur Altersteilzeit alle Eventualitäten vom 50-Mann-Betrieb bis zum Großunternehmen abdecken wollen. Deshalb hätten die Gespräche so lange gedauert. Es sei auch ein gute Lösung gefunden worden, um Rentenabschläge bei den Beschäftigten in Altersteilzeit zu vermeiden. Sie sollen bei einem Renteneintritt vor dem 65. Lebensjahr als Ausgleich eine einmalige Abfindung von maximal 21.600 Mark erhalten.