Null im Verkauf - DER SPIEGEL
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AUTOMOBILE Null im Verkauf

Schweden verbietet den Verkauf von Wagen, die den strengen Abgasvorschriften nicht genügen. *
• aus DER SPIEGEL 36/1983
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Valfrid Paulsson, Direktor der schwedischen Naturschutzbehörde, hatte die Automanager in Rüsselsheim immer wieder gemahnt: Der Opel Kadett genüge nicht den schwedischen Abgasbestimmungen. Jetzt verlor Paulsson die Geduld.

Vergangene Woche teilten seine Beamten den Opel-Leuten mit, daß der diesjährige Kadett mit dem 1,3-Liter-Motor in Schweden ab sofort nicht mehr verkauft werden darf. Die Opel-Manager, so Ulf Roos von der Verkehrsabteilung der Behörde, hätten »sämtliche Warnungen in den Wind geschlagen«.

Es ist das erste Mal, daß ein Land - der sauberen Luft wegen - so massiv gegen einen Autohersteller vorgeht. Die Schweden sind auch hier anderen europäischen Staaten einen Schritt voraus: Sie haben seit 1976 die schärfsten Abgasgesetze in Europa und sie nehmen die Kontrollen ernster.

Vor zwei Jahren wurden dazu die Abgasbestimmungen noch einmal enger gefaßt. Die staatlichen Umweltschützer hatten festgestellt, daß die von den Autoherstellern ausgelieferten Serienfahrzeuge mehr giftige Kohlenmonoxide, Kohlenwasserstoffe oder Stickoxide in die Luft bliesen als die für die Zulassung geprüften Prototypen. Inzwischen werden in Schweden daher, neben der üblichen Typprüfung zur Serienzulassung, auch Fahrzeuge getestet, die von der Straße weg nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden.

Erstes Opfer der Neuregelung wurde der Kadett. 10 der 30 von Paulssons Technikern überprüften Opel, die bereits zwischen 3000 und 15 000 Kilometer gefahren waren, hatten mehr Gift im Abgas als zulässig.

Auf das jetzt ausgesprochene Verkaufsverbot reagierten die Opel-Manager in Rüsselsheim gelassen. »Das ist«, so Opel-Sprecher Helmut-Peter Clauss, »für uns kein Thema.«

Da die bereits verkauften '83er Kadett nicht nachgebessert werden müssen, ist eine kostspielige Rückruf-Aktion nicht erforderlich. Neuwagen dieses Modelljahres aber sind laut Clauss »derzeit null im Verkauf«.

In den Schauräumen der schwedischen Händler steht bereits der Kadett Baujahr 1984. Dieser, versichert der Opel-Sprecher, sei durch verschiedene Änderungen »mehr als erforderlich« entgiftet worden.

Insgeheim erhoffen sich die Opel-Manager von der verschärften Gangart der schwedischen Umweltschützer sogar Vorteile. Opels schärfster Rivale nämlich, Ford, gerät noch härter unter den Druck der Stockholmer Umweltschützer.

Ford soll gleich drei Modelle, den Kleinwagen Fiesta mit dem 1,1-Liter-Motor, das Spitzenmodell Granada und den Verkaufsrenner Sierra mit dem 2-Liter-Motor so verbessern, daß die in die Luft geblasenen Schadstoffe reduziert werden. Und das bis zum 19. September.

Kontrollen gebrauchter Ford-Modelle hatten auch hier zu hohe Gift-Dosen ergeben. Da Ford den Fiesta 1984 in dieser Hinsicht nicht verändert hat und fristgerecht auch nicht mehr verändern kann, mußten sie vorerst auf den Verkauf ihres Kleinwagens in Schweden verzichten.

Ähnliches droht Granada und Sierra. Hier hatten die Schweden festgestellt, daß ein Ventil, das die Rückführung der Abgase in den Motor zur weiteren Verbrennung regelt, oft schon nach wenigen tausend Kilometern verstopft. Zwar boten die Ford-Manager inzwischen an, dieses Ventil in ihren neuen Wagen durch ein anderes zu ersetzen. Den Schweden aber ist das nicht genug, sie verlangen eine Neuzulassung beider Modelle.

Für Ford hätte das böse Folgen. Eine Neuzulassung dauert rund 14 Wochen. Rainer Nistl, Sprecher der Kölner Ford-Werke: »Das Jahr wäre dann in Schweden für uns gelaufen.«

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