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Handel Nur einmal daneben

Nach der Übernahme von Horten muß der Kaufhof-Chef den Warenhauskonzern wieder umbauen.
• aus DER SPIEGEL 28/1994
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kaum einer erkannte den älteren Herrn, der unauffällig in der drittletzten Reihe des Kölner Congreß-Centrums Platz nahm. Dort hörte sich Otto Beisheim, 70, genüßlich die Lobeshymnen der Kleinaktionäre an.

Mit der Hauptversammlung des Kaufhof konnte nicht nur Haupteigentümer Beisheim, der scheue Milliardär, zufrieden sein. Der zweitgrößte Warenhauskonzern blickte auf das beste Geschäftsjahr seiner Geschichte zurück, nie zuvor erhielten die Aktionäre eine so hohe Dividende.

Für Beisheim, der über seine Metro-Gruppe die Mehrheit am Kaufhof hält, erfüllte sich zudem ein Wunschtraum: Er gebietet künftig über den früheren Besitz seines ehemaligen Tessiner Nachbarn Helmut Horten. Der Kaufhof erwarb 59 Prozent der Horten-Aktien und brachte 75 Prozent der Stimmrechte hinter sich.

Mehr als hundert Jahre lang standen die Warenhauskonzerne bei den Standorten und den Sortimenten in heftigem Wettbewerb. Nach der Übernahme von Horten durch den Kaufhof und von Hertie durch den Branchen-Primus Karstadt bleiben nur noch zwei Riesen übrig. Der Verbraucher wird in seinen Einkaufsmöglichkeiten eingeschränkt.

Kaufhof-Chef Jens Odewald, 53, und sein Gegenspieler Walter Deuss vom Karstadt/Hertie-Verbund verfolgen unterschiedliche Strategien. Deuss investiert fast ausschließlich in den City-Handel. Die Innenstadt, so der Essener Manager, erlebe eine Renaissance. Odewald dagegen glaubt, in »artverwandten Bereichen« schnelleres Geld zu machen.

Der Jurist und Betriebswirt hatte vor 9 Jahren den dahindümpelnden Kaufhof übernommen. Unterstützt von der aggressiven Metro-Gruppe, krempelte er den Handelskonzern völlig um.

Odewald setzt voll auf neue Vertriebswege. Großflächige Kaufläden, die sich auf eine Warengattung - zum Beispiel Sportartikel - spezialisieren, sind billiger zu bauen und bringen mehr Gewinn.

Nach einigen Fehlversuchen mit Eigengründungen wie dem Buchmarkt Gemini, kaufte Odewald reihenweise Fachmarkt-Ketten auf. Reno (Schuhe), Saturn-Hansa, Media-Markt (Unterhaltungselektronik), Vobis (Computer), Hawesko (Wein) und Rungis Express (Restaurant-Lieferant) expandierten unter dem Kaufhof zu Marktführern. Vobis etwa ist heute der größte Verkäufer von Personalcomputern in Europa.

Nur beim Geschenkartikel-Versender Oppermann griff Odewald daneben. Der Manager glaubt, der Kaufhof sei vom Alteigentümer mit falschen Bilanzen reingelegt worden. Vor wenigen Wochen verlor der Kaufhof eine Schadensersatzklage auch in zweiter Gerichtsinstanz.

»Der Weg weg vom Warenhaus als Alleinunterhalter«, so Odewald, habe sich »als goldrichtig« erwiesen. Der Umsatz der Kaufhof-Gruppe verdreifachte sich in den vergangenen zehn Jahren, die Gewinne stiegen um das Vierfache.

Der Anteil der Warenhäuser am Gruppenumsatz betrug 1983 noch 87 Prozent, 1993 lag er bei 42 Prozent. Der Anteil der Fachmärkte kletterte von 5 Prozent auf 31 Prozent.

»Tabus wegen der Tradition darf es keine geben«, sagt Odewald. Rigoros ließ der Manager, der in seiner Freizeit Kunstkataloge sammelt und Kanzler Helmut Kohl berät, die Verwertung aller konzerneigenen Immobilien, Schätzwert sechs Milliarden Mark, überprüfen.

Das hatte Konsequenzen: Odewald ließ zum Beispiel die oberen Etagen des Jugendstil-Hauses an der Düsseldorfer Königsallee in Büros umwandeln und teuer vermieten. Auf dem Parkplatz vor dem Kaufhof in Aachen wird ein Einkaufscenter für fremde Fachgeschäfte errichtet. In mehrere Warenhäuser zogen renditestärkere Fachmärkte des eigenen Konzerns ein.

Vor einigen Monaten kaufte Odewald eine auf Immobilien-Management spezialisierte Hamburger Firma. Sie soll ihre Dienste auch anderen Unternehmen anbieten. Doch mit dem Erwerb von Horten hat die neue Geschäftssparte zunächst genug zu tun.

Horten besitzt eine Hauptverwaltung und mehr als 40 Warenhäuser in guten City-Lagen, nur 6 Filialen sind angemietet. Da Kaufhof und Horten aber an 16 Standorten gemeinsam vertreten sind, so in Düsseldorf, Mannheim oder Nürnberg, müssen für die schlechter gelegenen Häuser Konzepte gefunden werden, die sie wieder für die Kunden interessant machen. Odewald wäre sogar bereit, eine schlecht gehende Filiale an den Konkurrenten Karstadt zu verkaufen.

Kampflos will Odewald dem Konkurrenten das Feld nicht überlassen. Ihn ärgert es, daß Karstadt durch Hertie an das Berliner Weltstadt-Warenhaus »Kaufhaus des Westens«, kurz »KaDe-We«, gekommen ist. Bisher war im direkten Vergleich mit Karstadt die Kaufhof-Dependance an der Kölner Hohestraße das größte Haus.

Odewald plant nun mit Horten ein Superhaus. In Hamburg liegen die Filialen von Kaufhof und Horten nebeneinander, nur getrennt durch eine Sackgasse, die »Lange Mühren«. Der Manager, der lange Zeit in Hamburg lebte, will von der Stadt die Straße kaufen. Sie soll mit einer Dachkonstruktion aus Glas und Stahl zu einer lichtdurchfluteten Verbindungshalle umgebaut werden.

Einen Namen für den geplanten Einkaufspalast hat Odewald auch schon gefunden: »Kaufhaus des Nordens«, kurz »KaDeNor«. Y

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__93_ Kaufhof: Umsatzerlöse und Gewinn (1985-1993)

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