OECD-Prognose: Deutschland entgeht der Rezession - DER SPIEGEL
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OECD-Prognose Deutschland entgeht der Rezession

Der schwache Dollar und die hohen Preise für Energie trüben nach Einschätzung der OECD die Konjunkturaussichten im kommenden Jahr. Auch die deutsche Wirtschaft wird spürbar an Schwung verlieren.
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Berlin - Der Aufschwung verliert an Schwung, bleibt aber intakt - so lässt sich der Wirtschaftsausblick zusammenfassen, den die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute vorgestellt haben. Danach gehen die Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft von 2,6 Prozent in diesem Jahr (kalenderbereinigt) auf 1,6 Prozent im Jahr 2009 zurück. Für 2008 wird den Angaben zufolge ein Plus von 1,8 Prozent erwartet.

Skeptischer noch sieht das Essener RWI-Institut die Wirtschaftsentwicklung in der nächsten Zukunft. Die Forscher rechnen nur mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent nach zuvor 2,3 Prozent. Doch auch die Essener sehen den Aufschwung nicht nachhaltig gefährdet. "Die prognostizierte Abschwächung der Konjunktur bedeutet noch nicht das Ende des gegenwärtigen Aufschwungs, sondern markiert nur ein Zwischentief".

Noch im Mai hatte die OECD 2,2 Prozent für das kommende Jahr vorhergesagt. Doch jetzt befürchten die Experten die Bremswirkung des starken Euro, der dem Außenhandel stark zusetzen werde. Auch die Investitionsneigung werde durch die Entwicklung nicht eben bestärkt, heißt es in dem Bericht. Importeure dürften dagegen gute Zuwachsraten verzeichnen.

Reformen entfalten ihre Wirkung

Gleichwohl raten die Konjunkturforscher den Haushaltspolitikern, das Wachstum nicht durch zusätzliche Ausgaben künstlich anzuheizen. Denn die globale Abschwächung der Export- und Investitionsdynamik werde zum Teil durch zusätzlichen privaten Konsum ausgeglichen. Darüber hinaus könnte die Sparquote allmählich sinken, was dem Konsum zusätzliche Impulse geben würde. Die bisher verfügbaren Indikatoren wiesen darauf hin, dass der Aufschwung intakt bleiben werde.

Dem Bericht zufolge wird auch die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, allerdings in wesentlich langsamerem Tempo als in der jüngsten Vergangenheit. Die nach OECD-Kriterien berechnete Erwerbslosenquote von 6,4 Prozent (2007) über 5,7 Prozent im kommenden Jahr auf 5,6 Prozent im Jahr 2009 zurückgeht. Die bessere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer dürfte ein Erfolg der Reformen sein. "Angesichts der zu erwartenden Engpässe beim Angebot qualifizierter Arbeitskräfte sollte die Regierung aber von jeglichen Maßnahmen absehen, die die Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit schwächen könnten", empfehlen die Experten.

Laut OECD besteht das größte Risiko darin, dass die Verschiebung des Wachstums zum privaten Konsum unterbrochen werden könnte, wenn der Öl- oder die Nahrungsmittelpreise über die Maßen stark anzögen.

Auch könnten die Nettoexporte deutlicher zurückgehen als angenommen, wenn die Nachfrage infolge anhaltender Turbulenzen an den Finanzmärkten oder bei einer weiteren erheblichen Aufwertung des Euro stärker nachlässt als erwartet.

Weltwirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

Der deutsche Staatshaushalt dürfte in diesem Jahr ausgeglichen sein. 2009 werde Deutschland sogar einen effektiven Überschuss von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausweisen, wenn keine weiteren Ausgaben beschlossen würden. Wegen der Senkung der Unternehmenssteuern dürfte das strukturelle Defizit aber nicht weiter abgebaut werden.

Auch die Weltwirtschaft bleibt nach Einschätzung der OECD trotz der Finanzmarktkrise und hoher Rohstoffpreise auf Wachstumskurs. "Das OECD-weite Wachstum wird auf kurze Sicht voraussichtlich recht langsam sein, dann aber nach und nach Fahrt aufnehmen."

Für die Euro-Zone rechnet die OECD in diesem Jahr mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 2,6 Prozent. Im nächsten Jahr wird mit einer Abkühlung auf 1,9 Prozent gerechnet. In den USA wird die Wirtschaftsleistung der Prognose zufolge im Zuge der Finanz- und Immobilienkrise von 2,2 Prozent in diesem Jahr auf 2,0 Prozent in 2008 zurückgehen und 2009 wieder auf 2,2 Prozent steigen. In Indien und China werden demnach weiter mit hohen Wachstumsraten aufwarten. Für die Volksrepublik sieht die OECD allerdings Überhitzungstendenzen.

Insgesamt sieht die Organisation jedoch auch die Gefahr, dass es zu "Nachbeben" an den Finanzmärkten kommen könnte. Möglicherweise sei auch die Zahl der Länder größer, die anfällig gegenüber einem ausgeprägten Rückgang der Wohnimmobilienpreise oder der Wohnbauinvestitionen sei.

Wirtschaftswachstum (Anstieg in %, BIP real)

Land 2007 2008 2009
USA 2,2 2,0 2,2
Japan 1,9 1,6 1,8
Deutschland 2,6 1,8 1,6
Euro-Zone 2,6 1,9 2,0
OECD insgesamt 2,7 2,3 2,4

Inflation in Prozent

Land 2007 2008 2009
USA 2,6 2,1 2,0
Japan -0,5 -0,3 0,3
Deutschland 1,8 1,7 1,9
Euro-Zone 2,2 2,2 2,3
OECD insgesamt 2,3 2,1 2,1

Arbeitslosenquote (nach OECD-Kriterien)

Land 2007 2008 2009
USA 4,6 5,0 5,0
Japan 3,8 3,7 3,6
Deutschland 6,4 5,7 5,6
Euro-Zone 6,8 6,4 6,4
OECD insgesamt 5,4 5,4 5,3

mik/dpa/Reuters/AP