OECD-Studie: Die Durststrecke wird noch lange andauern - DER SPIEGEL
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OECD-Studie Die Durststrecke wird noch lange andauern

Die OECD hat ihre Wachstumsprognosen für die wichtigsten Industriestaaten im kommenden Jahr drastisch nach unten korrigiert. Eine Erholung erwarten die Experten erst im Herbst nächsten Jahres.
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Paris/Berlin - Das Wirtschaftswachstum der Mitgliedstaaten wird für 2002 nur noch mit 1,0 Prozent veranschlagt, nachdem zur Jahresmitte noch mit einer Expansion von 2,8 Prozent gerechnet wurde. Für das laufende Jahr erwartet die Organisation in dem am Dienstag in Paris und Berlin vorgestellten Drei-Jahres-Ausblick jetzt ein Wachstum von ebenfalls 1,0 Prozent.

Für die deutsche Wirtschaft ist der Ausblick noch bescheidener: Magere 0,7 Prozent seien in diesem Jahr zu erwarten. 2002 könnte es "im Durchschnitt bei nur 1,0 Prozent" liegen, nach 2,4 Prozent in der vorangegangenen Prognose. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung korrigierte in der vergangenen Woche seine Prognosen ebenfalls nach unten und geht nur noch von 0,6 Prozent Wachstum in diesem und 0,7 Prozent im nächsten Jahr aus.

Bei nachlassendem Exportwachstum und schrumpfender Anlageninvestition habe im Frühjahr eine Stagnation eingesetzt. Allerdings dürfte sich die Konjunktur im Laufe des kommenden Jahres beleben. Die OECD-Experten empfehlen der Bundesregierung, ebenso wie die Fünf Weisen, auf expansive Konjunkturprogramme zu verzichten, aber entschlossen Strukturreformen für Arbeitsmarkt und Sozialpolitik anzugehen.

Ganz allgemein stellt die OECD in ihrem halbjährlichen Konjunkturbericht fest, der effektive Stillstand des Wachstums Mitte 2001 nach den einschneidenden Korrekturen im Hightech-Sektor sei durch den Schock der Terroranschläge in den USA verschlimmert worden. Im zweiten Halbjahr 2001 werde die gesamtwirtschaftliche Produktion im OECD-Raum zum ersten Mal seit 20 Jahren geringfügig schrumpfen. Die Ungewissheit seit dem 11. September verschwinde erst im Laufe des ersten Halbjahres 2002 wieder.

Einen Aufschwung erwartet die OECD dann zum zweiten Halbjahr 2002. 2003 könnte das Bruttoinlandsprodukt in den Mitgliedsländern um drei Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit werde nicht nur in Deutschland, sondern in den Mitgliedsländern insgesamt voraussichtlich bis in das Jahr 2002 hinein weiter steigen, bevor sie wieder leicht zurückgehe, heißt es in dem Bericht. Die Inflation werde wegen der moderaten Ölpreise voraussichtlich niedrig bleiben.

Für die USA mit ihrer Lokomotivfunktion für die Weltwirtschaft erwartet die OECD im kommenden Jahr einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nunmehr 0,7 Prozent nach zuvor angenommenen 3,1 Prozent. Allerdings sei bei einem Nachlassen der Bremswirkungen durch die Ungewissheiten nach dem 11. September oder durch die Kurseinbrüche im Hightech-Bereich ein kräftiger Aufschwung zu erwarten, der im zweiten Halbjahr 2002 voll zu Tage treten würde.

Das Wachstum der Europäischen Union wird für 2002 bei 1,5 Prozent angegeben (vorher: 2,7 Prozent). Ein Aufschwung der seit Jahren schwächelnden Konjunktur in Japan liegt nach Einschätzung der OECD noch in weiter Ferne. In der OECD sind 30 Staaten vertreten, vornehmlich die großen Industrienationen.