Öffentlicher Dienst: Experten warnen vor Massenentlassungen - DER SPIEGEL
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Öffentlicher Dienst Experten warnen vor Massenentlassungen

Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst wurden erneut ergebnislos unterbrochen. Wirtschaftsexperten warnten unterdessen vor den finanziellen Folgen eines Streiks oder eines zu hohen Tarifabschlusses: Jeder Prozentpunkt mehr Lohn gefährde 60.000 Arbeitsplätze.
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Hamburg - Das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, Horst Siebert, warnt vor gravierenden finanziellen Folgen eines hohen Tarifabschlusses für die öffentlichen Haushalte und vor den negativen Auswirkungen auf den Beschäftigungsstand. "Sicher ist, dass jeder Prozentpunkt mehr Lohn 1,7 Milliarden Euro Mehraufwand bedeutet und 60.000 Arbeitsplätze gefährdet", sagte Siebert der "Bild"-Zeitung.

Ein Streik im öffentlichen Dienst könnte zu volkswirtschaftlichem Schaden in Milliardenhöhe führen, wie das Blatt weiter schrieb. Nach Berechnungen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) leistet jeder Angestellte im öffentlichen Dienst im Durchschnitt eine tägliche Wertschöpfung von 200 Euro. Demzufolge würde ein flächendeckender Ausstand aller Beschäftigten des Sektors einen - rein rechnerischen - Schaden von 600 Millionen Euro am Tag verursachen. Allerdings ist kaum vorstellbar, dass alle Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes streiken.

Die Tarifverhandlungen sollen am heutigen Donnerstag fortgesetzt werden, sagten Vertreter der Arbeitgeber und der Gewerkschaft Ver.di. Bis zu der Unterbrechung seien keine greifbaren Ergebnisse erzielt worden. Bis dahin hatten die beiden Seiten fast zehn Stunden lang und teilweise auch in kleinem Kreis verhandelt.

Die Gespräche waren bereits gegen Mitternacht in eine kritische Phase gekommen. Daraufhin hatten Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und Ver.di-Chef Frank Bsirske in einem Vier-Augen-Gespräch versucht, Bewegung in den Konflikt zu bringen. Die Verhandlungen in Potsdam gelten als letzte Möglichkeit, einen Streik zu verhindern.

Schily hatte vor Beginn der Verhandlungen in Potsdam erklärt, er hoffe auf eine Einigung. "Ein Streik würde die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland deutlich schwächen und damit auch die finanziellen Möglichkeiten für eine Einigung erheblich einschränken", sagte Schily. Im Fall eines Arbeitskampfs würden die Arbeitgeber ihr bisheriges Angebot zurückziehen. "Dann rückt eine Null-Runde näher." Das bisherige Arbeitgeberangebot sieht für die Angestellten und Arbeiter eine Lohnerhöhung in zwei Stufen von insgesamt maximal 2,8 Prozent vor bei 20 Monaten Laufzeit, im Gegensatz zum Schlichtervotum mit drei Prozent in ebenfalls zwei Stufen und 18-monatiger Laufzeit. Allerdings verlangen die Arbeitgeber mehr Ausgleichsmaßnahmen.