Öko-PR in den USA: "Grün ist grün" - DER SPIEGEL
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Öko-PR in den USA "Grün ist grün"

Mit aufwendigen Werbefeldzügen feilen US-Konzerne an ihrem Öko-Image. Sogar der Ölriese Exxon Mobil macht mit seinem vermeintlichen Umweltengagement Reklame. Dabei wurde der Konzern gerade auf die Top-Ten-Liste der größten Öko-Sünder der Welt gesetzt.
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New York - Ist dies die Anzeige einer Umweltschutzgruppe, eines Biokostladens oder einer Naturgärtnerei? Über die ganze Seite rankt sich Efeu, von links unten nach rechts oben: eine hübsch begrünte Bilanzgrafik. "Wir präsentieren", heißt es darunter, "ein paar Geschäftspläne, von der die Erde profitiert."

Hinter dem großformatigen Inserat im "Wall Street Journal" steckt jedoch keine Ökobewegung, sondern das US-Industriekonglomerat General Electric (GE). Der Milliardenkonzern - der neben Haushaltsgeräten und Elektroanlagen auch Atomkraftwerksteile und Kampfjets herstellt sowie Vergnügungsparks und das TV-Network NBC betreibt - preist damit sein allerneuestes Produkt an: Umweltschutz.

50.000 Dollar Preisgeld lobt GE in der PR-Kampagne für den innovativsten "umweltbewussten Unternehmer" aus - vorausgesetzt, seine Idee ist profitabel. Denn auch der Konzern selbst wolle sich fortan verstärkt für den Umweltschutz engagieren, versprach CEO Jeffrey Immelt. "Und wir wollen damit Geld verdienen." Sein Leitsatz, in Anspielung auf die Farbe der Dollarscheine: "Grün ist grün."

Klares Flüsslein am lauschigen Walde

Das Motto findet neuerdings immer mehr Anhänger in der US-Wirtschaft. Eifrig bedacht, von der jüngsten Öko-Welle und der Benzinpreiskrise in den USA bestmöglich zu profitieren, feilen die Konzerne mit gigantischen Werbefeldzügen an ihrem grünen Image.

Ein schlechtes Umweltzeugnis, so fürchten die Firmen, ist heute schlecht fürs Geschäft. Kein Marketing-Trick ist den Konzernen zu schade, um den Kunden zu umgarnen - und das in einem Land, in dem die Bürger laut der US-Umweltstiftung NEETF über solche Fragen im Grunde immer noch "sowohl nicht informiert wie desinformiert" sind.

GE gehört zum Beispiel zu den Konzernen, die hübsche Landschaften in ihren Werbeanzeigen zeigen: Der Konzern flankiert sein Öko-Preisausschreiben mit einer Website, auf der ein klares Flüsslein an lauschigem Walde vorbeirauscht. Die Realität sieht anders aus. Etwa am Hudson River im Bundesstaat New York. Dort haben GE-Fabriken jahrzehntelang das krebserregende Chemiegift PCB in den Fluss geleitet. Nach langem Streit befahl das US-Umweltamt EPA dem Konzern 2002, den Fluss zu säubern. Bis jetzt hat sich nichts getan. GE erklärt kühl, man werde mit der Arbeit 2008 beginnen - frühestens.

Pressearbeit wie "satanische Sekten"

Auch der Ölriese Exxon Mobil will sein seit der Tankerkatastrophe der "Exxon Valdez" 1989 lädiertes Umweltimage aufpolieren. Das allerdings ist nicht ganz leicht: Während die Autofahrernation USA wegen des Anstiegs der Benzinpreise ächzt, macht der Konzern Rekordgewinne - 10,7 Milliarden Dollar im letzten Quartal 2005, 8,4 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2006. Nachdem das selbst im US-Kongress auf Missfallen gestoßen war, setzt Exxon Mobil nun zum PR-Gegenschlag an: Die Supergewinne, so prahlt das texanische Unternehmen in ganzseitigen Annoncen, seien "eine gute Nachricht" - und zwar nicht nur "für die über 2,5 Millionen Amerikaner, die direkt Aktien an unserer Company besitzen".

Die Gewinne nutzten der ganzen Welt: Denn Exxon Mobil investiere die Einnahmen nicht zuletzt in "umweltvernünftige Technologien". Exxon Mobils neuer CEO Rex Tillerson erklärt sich derweil im Frühstücksfernsehen und auf Podiumsdiskussionen, damit "der amerikanische Verbraucher die Grundlagen dessen versteht, was hier vor sich geht".

Das American Petroleum Institute (API), der Lobbyverband der US- Ölbranche, hat über 20 Millionen Dollar in eine PR-Kampagne gesteckt. Darin werden die enormen Gewinne der Energiekonzerne ebenfalls unter anderem damit gerechtfertigt, dass die "gigantischen Anstrengungen" zum Umweltschutz dienten. Hintenrum jedoch haben die zehn größten Ölkonzerne allein voriges Jahr insgesamt rund zehn Millionen Dollar in Lobbyarbeit investiert, um den Kongress zu bewegen, weitere US-Naturschutzgebiete für Bohrungen freizugeben.

Zumindest Exxon dürfte es nicht ganz leicht fallen, seinen Ruf als Preisabzocker und Umweltverseucher loszuwerden. Die US-Umweltgruppe Native Forest Council setzte den Konzern auf ihre Top-Ten-Liste der "zehn schlimmsten" Öko-Sünder der Welt. Nicht zuletzt, weil Exxon in aller Stille Abermillionen Dollar in Stiftungen und "Studien" investiert hat, mit dem Ziel, den Treibhauseffekt als "nicht schlüssig" zu widerlegen. Alaskas Fischer warten bis heute auf die 100 Millionen Dollar, die ihnen Exxon für das "Exxon Valdez"-Tanker-Desaster schuldet.

Das American Petroleum Institute wird mit seiner widersprüchlichen Geschäftspraxis immer unglaubwürdiger. "Nur satanische Sekten", erklärte jüngst der republikanische Senator John McCain jetzt, "haben schlechtere Pressearbeit".