Ökonom Phelps Nobelpreis für Weitblick
Hamburg - Der Preis ist hoch dotiert und bringt eine Menge Ruhm. Über eine Summe von zehn Millionen schwedischer Kronen (1,07 Millionen Euro) darf sich Edmund Phelps freuen. Der Ökonom von der Columbia University in New York ist Gewinner des sogenannten Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften. "Ich wusste, dass es möglich war", sagte Phelps in einem Interview, nachdem er von der Ehrung erfahren hatte. "Aber ich hatte keine Ahnung, wann oder ob es überhaupt klappen würde."
Seine Arbeit habe "die Zusammenhänge zwischen kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen" der Wirtschaftspolitik erhellt, lobte das Nobel-Komitee heute in Stockholm und ehrte damit den 73-Jährigen für seine Arbeiten zur Makroökonomie. Er habe nicht nur wichtige Erkenntnisse für andere Forscher, sondern für die Wirtschaftspolitik generell geliefert.
So habe Phelps gezeigt, dass Vollbeschäftigung, die Stabilität der Preise und Wirtschaftswachstum wichtige Ziele der Wirtschaftspolitik seien. Doch es müsse auch zwischen gegenwärtigen Vorteilen und Vorteilen für künftige Generationen abgewogen werden.
"Ich freue mich, dass er den Titel erhält", sagte Professor Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) zu SPIEGEL ONLINE. "Er hat es auf jeden Fall verdient."
Theorien noch nach 40 Jahren aktuell
Phelps ist seit 1971 am Lehrstuhl für Volkswirtschaft an der Universität Columbia. Er studierte am Amherst College im US-Bundesstaat Massachusetts und machte seinen Doktortitel an der Yale-Universität.
Ende der sechziger Jahre hatte Phelps zum Thema Phillips-Kurve geforscht, neue Berechnungen geliefert und Theorien des Wissenschaftlers John Maynard Keynes (1883-1946) weiterentwickelt. Diese in den fünfziger Jahren entwickelte Kurve beschreibt einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflationsrate. Die Theorien von Phelps seien auch nach 40 Jahren aktuell, hieß es heute beim schwedischen Komitee. "Man frage nur die Finanzminister in der EU nach ihren Erwartungen an Inflation und den Arbeitsmarkt", sagte Komitee-Chef Jörgen Weibull.
HWWA-Chef Straubhaar erklärte, dass Phelps "die Phillips-Kurve beerdigt hat". So habe Phelps gezeigt, dass es nur in der kurzen Frist eine Wechselbeziehung zwischen Inflation und Beschäftigung gebe und nicht in der langen Frist. Damit laute eine wichtige Empfehlung der Ökonomen, dass durch mehr Geld in einer Ökonomie nicht mehr Beschäftigung erzielt werden könne.
Seit 1969 erhalten Ökonomen die begehrte Auszeichnung. Die schwedische Wissenschaftsakademie vergibt den Preis jedes Jahr. Die eigentliche Preisverleihung findet am 10. Dezember statt - dem Todestag des schwedischen Ingenieurs und Fabrikanten Alfred Nobel, der von 1833 bis 1896 lebte.
Der Name des Columbia-Professors Phelps wurde schon des Öfteren genannt, wenn es um einen potentiellen Gewinner für die Auszeichnung ging. Doch Phelps war stets leer ausgegangen. Dieses Jahr hatte sich auch der Inder Jagdish Bhagwati, der ebenfalls an der Columbia University in New York forscht, Hoffnungen machen können. Auch der für seine Kolumnen bekannte Autor Paul Krugman sowie der Princeton-Professor Avinash Dixit konnten sich gute Chancen ausrechnen. Alle drei forschen zum Thema Handelsbeziehungen.
Ehrung ist lediglich ein Wirtschaftspreis
Der Nobelpreis für Wirtschaft ist umstritten, weil er nicht wie die anderen fünf Nobelpreise auf das Testament von Nobel zurückgeht. Die Auszeichnung heißt daher lediglich "Ehrenpreis der schwedischen Reichsbank zum Andenken an Alfred Nobel". Die Stiftung nennt den Preis auch nicht Nobelpreis, sondern nur Wirtschaftspreis.
Kein Wunder, dass schon seit den neunziger Jahren die Nobel-Urenkel sowie Mitglieder der für den Literatur-Nobelpreis zuständigen schwedische Akademie die Abschaffung des Wirtschaftspreises fordern. Auch wegen der Kritik vergibt die Stiftung den Wirtschaftspreis seit zwei Jahren unabhängig von den anderen Auszeichnungen für Chemie, Physik und Medizin.
Zudem stört viele Kritiker, dass der Wirtschaftspreis fast ausschließlich an männliche US-Forscher gegangen ist. Ein Preisträger, der aus Lateinamerika, Afrika oder Asien kommt? Fehlanzeige. Es hat auch noch keine Forscherin geschafft. Seit es den Wirtschaftspreis gibt, wurde er an 57 männliche Ökonomen vergeben. 43 davon waren US-Bürger. Bisher gingen nur acht Nobelpreise für Wirtschaftswissenschaften nach Europa. 1994 erhielt ihn der Deutsche Reinhard Selten. Wie viele andere Forscher musste er auch den Preis mit zwei amerikanischen Kollegen teilen.
Im vergangenen Jahr hatten schon zwei Forscher aus den USA den Wirtschaftstitel erhalten: Thomas Schelling und sein israelisch-amerikanischer Kollege Robert Aumann wurden für ihren Beitrag zur Spieltheorie gelobt.
Nicht nur die Dominanz der US-Forscher stört viele Kritiker. Sie ärgert, dass wirtschaftspolitisch eher konservative Ökonomen belohnt werden - darunter Milton Friedman, der theoretische Vordenker für die Ära von US-Präsident Ronald Reagan. Der heute 94-jährige wurde vor 30 Jahren für seine Theorien über den Zusammenhang der Geldversorgung der Wirtschaft mit der Preisentwicklung ausgezeichnet.
mit Reuters, dpa, AP, AFP