Öl Opec-Versprechen lassen die Preise stürzen
London/Jakarta - US-Energieminister Spencer Abraham trieb im Verlauf die Verkäufe weiter an, indem er von Signalen für zusätzliche Öllieferungen des Opec-Landes Nigeria sowie der Nicht-Opec-Produzenten Mexiko und Russland sprach.
Die Beschwörungen hatten den gewünschten Erfolg: Der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli fiel um 1,08 Dollar auf 36,52 Dollar. Leichtes US-Öl verbilligte sich um 1,50 Dollar auf 39,20 Dollar.
Die Opec müsste ihre Fördermengen um mehr als ein Zehntel erhöhen, damit der Ölpreis sinkt, sagte Purnomo. Das Kartell prüfe derzeit drei Optionen zur Erhöhung der Förderung bei ihrer Ministerkonferenz am 3. Juni in Beirut. Dabei würden Schätzungen berücksichtigt, denen zufolge die Opec täglich bereits 2,3 Millionen Barrel mehr fördere als offiziell vorgesehen. Jede Erhöhung dieser Quoten um weniger als 2,3 Millionen Barrel täglich werde kaum dazu beitragen können, dass der Markt an eine Steigerung des Ölangebots glaube.
Die Opec habe nun die Möglichkeiten, die tägliche Fördermenge um zwei Millionen, um 2,3 Millionen oder um mehr als 2,3 Millionen Barrel hochzufahren. "Mit der dritten Option hätten wir eine deutliche Erhöhung und würden ein psychologisches Signal senden, um die Ölpreise zu drücken." Dagegen bliebe eine um zwei Millionen Barrel pro Tag erhöhte Quote weiterhin hinter der tatsächlichen Fördermenge zurück und würde kaum eine Wirkung am Markt erzielen.
Der weltweit größte Ölproduzent Saudi-Arabien hat sich unabhängig von einem eventuellen Opec-Beschluss bereits dazu bereit erklärt, seine tatsächliche Fördermenge im Juni um rund zehn Prozent auf 9,1 Millionen Barrel täglich anzuheben. Der Ölminister des Landes, Ali el Naimi, hatte auch die Opec aufgefordert, die Quote um 2,5 auf insgesamt 26 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen. Da alle Opec-Länder bis auf Saudi-Arabien aber bereits mit der Ölförderung an ihre Kapazitätsgrenzen gehen, rechnen Analysten damit, dass eine bloße Erhöhung der Quoten nicht die Bedenken über einen Versorgungsengpass ausräumen kann.
Abraham sagte bei einem Besuch in Moskau: "Wir haben positive Signale aus Mexiko, Nigeria und Russland, dass die Förderung steigen wird, um die weltweite Nachfrage zu decken. Ich habe den Eindruck, dass weitere derartige Signale kommen werden".
Volkswirte sehen in dem heutige Rückgang trotzdem noch keinen Grund zur Entwarnung. Sie befürchten, dass der Ölpreis auch auf dem jetzigen Niveau das Wachstum der Weltwirtschaft beeinträchtigen könnte. Die Europäische Zentralbank (EZB) berücksichtigt den Ölpreis nach den Worten ihres spanischen Ratsmitglieds Jaime Caruana in ihren Entscheidungen als einen Risikofaktor für die Preisstabilität. Nach Einschätzung des neuen Bundesbankpräsidenten Axel Weber könnte ein auf Dauer auf diesem Niveau liegender Ölpreis die EZB zu einer Überprüfung ihrer Inflationsprognosen bewegen. Die Europäische Kommission könnte wegen des Ölpreises nach Angaben aus EU-Kreisen ihre Jahresprognose für das Wirtschaftswachstum der Euro-Zone reduzieren. Ein entsprechendes Modell der Kommission sehe eine Rücknahme der Erwartung von zuletzt 1,7 Prozent um 0,2 Prozentpunkte vor, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus den Kreisen in Brüssel.