Ölhändler "Der Markt ist verrückt"
New York/London - Der eskalierende Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, der Anschlag auf das US-Kriegsschiff im Jemen und weiterhin sehr niedrige Heizölreserven in den USA treiben die Rohölpreise an den Weltmärkten in die Höhe. "Die Preise gehen stündlich nach oben", erklärte Otto Bauer, der Chef der Camelot Oil, einer Heizölfirma im Bundesstaat New York. Er werde außerdem mit Anrufen von Kunden überhäuft, die ihre Heizöltanks rasch auffüllen wollen. Der US-Heizölpreis stieg um 5,95 Cents auf die Rekordhöhe von 1,0773 Dollar je Gallone.
Rohöl zum November-Auslieferungstermin stieg am New Yorker Warenterminmarkt am Donnerstagabend um 2,81 Dollar oder mehr als acht Prozent auf 36,06 Dollar, Im Tagesverlauf wurden sogar fast 37 Dollar gezahlt.
Im Londoner Handel fiel der Preis am Freitag zwar zeitweise wieder bis auf 35 Dollar, die dortigen Händler sind jedoch weit davon entfernt, Entwarnung zu geben. "Der Markt ist verrückt", kommentierte einer von ihnen die Situation.
Ölanalysten befürchten, dass es bei einer Ausweitung der Probleme zu Lieferbeschränkungen der Ölländer im Nahen Osten kommen könnte. Die arabischen Länder hatten den USA vorgeworfen, Israel einseitig zu unterstützen. Während des Jom-Kippur-Krieges 1973 hatten die arabischen Ölförderer schon einmal das Druckmittel eines Ölembargos eingesetzt, um Ägypten und Syrien zu unterstützen.
Nach Ansicht der Analysten würde es angesichts der extrem engen Marktsituation aber auch schon ausreichen, wenn die Ölstaaten geringere Bereitschaft zeigten, bei der Senkung der hohen Ölpreise mitzuwirken.
Ölmarktbeobachter verwiesen auch auf Truppenbewegungen im Irak. Saudi-Arabien, der Irak und Iran spielen in der globalen Ölversorgung eine Schlüsselrolle. Die geringste Andeutung von Öllieferbeschränkungen könnte den Ölpreis über 40 Dollar treiben, befürchtete ein Händler.