Ölkonzern Manipulationsvorwürfe gegen BP
Hamburg - Das "Wall Street Journal" berichtet heute, US-Behörden hätten eine Untersuchung von möglichen Manipulationen an den Rohöl- und Benzinmärkten durch BP eingeleitet. Als Quelle gibt das Blatt dem Fall nahe stehende Rechtsanwälte und Ölhändler an. Zudem wurde eine Zivilrechtsklage von den für Rohstoffe zuständigen US-Behörden im Zusammenhang mit möglichen Manipulationen auf dem Propangasmarkt eingereicht.
Dem Bericht zufolge sind mögliche Manipulationen von weltweiten außerbörslichen Märkten in den Jahren 2003 und 2004 Hintergrund der Untersuchung. Die außerbörslichen Märkte beinhalten unter anderem den elektronischen Handel von Produkten, die nicht an den Rohstoffbörsen gehandelt werden oder über Marktplätze abgewickelt werden, die nicht direkt von den staatlichen Regulierungsbehörden überwacht werden.
Die Untersuchungen liefen seit bereits über einem Jahr und seien vom US-Justizministerium initiiert worden, berichtet das Blatt unter Berufung auf Anwälte und Händler. Es gehe dabei um bestimmte Handelsbewegungen an der New York Mercantile Exchange.
Ein BP-Sprecher in Großbritannien bestätigte, dass sein Unternehmen Kenntnis von Untersuchungen in den USA habe und BP dabei vollständig kooperiere. Worin es in diesen Untersuchungen geht, wollte der Sprecher nicht näher ausführen. Aus Branchenkreisen war zu hören, dass sich die Untersuchung noch deutlich über BP hinaus ausweiten könnte.
Die US-Behörden lehnten eine Stellungnahme ab.
Für BP sind die jetzt öffentlich gewordenen Vorwürfe ein schwerer Schlag - der Konzern steht bereits seit einigen Wochen wegen maroder Ölleitungen in Alaska in der Kritik. In der kommenden Woche sind BP-Vertreter wegen der Probleme im Pipelinesystem des Prudhoe-Bay-Ölfeldes zu einer Anhörung vor den US-Kongress geladen.
Nach Informationen des US-Aktivisten Chuck Hamel soll BP zudem einen kritischen Bericht über die Pipelines in Alaska unterdrückt haben. Nach den von Hamel im Internet veröffentlichten Dokumenten hatte die Ingenieurfirma Coffman die Umweltschutzbehörde von Alaska (ADEC) bereits 2001 in einem Untersuchungsbericht auf eine Reihe von Mängeln bei der Wartung der Leitungen des Konzerns im Norden Alaskas hingewiesen. Unter anderem kritisierte der Bericht die unzureichenden Informationen des Ölkonzerns zu seiner Anti-Korrosionsstrategie.
Laut Hamel forderte BP in einem Brief an die Umweltbehörde, dass der "extrem negative" Bericht umgeschrieben wird. Tatsächlich seien in der Endfassung Anfang 2002 die wichtigsten Schlussfolgerungen der ursprünglichen Version fallengelassen worden. Stattdessen seien die Bemühungen des Ölkonzerns zur Überwachung seiner maroden Leitungen gelobt worden.
Zuvor hatten auch mehrere BP-Mitarbeiter dem Konzern vorgeworfen, Prüfdaten manipuliert und so eine rechtzeitige Reparatur der Ölleitungen verhindert zu haben.
Im März 2006 traten aus einer durchgerosteten BP-Pipeline in Prudhoe Bay rund eine Million Liter Öl aus und verursachten die größte Ölverschmutzung in der Region North Slope und die zweitgrößte in Alaska seit der Ölpest durch den Tanker "Exxon Valdez" 1989. Wegen der Pipeline-Lecks im größten US-Ölfeld hat die Regierung in Washington inzwischen mehrere Untersuchungen gegen BP eingeleitet.
Anfang August trat erneut Öl aus einer Leitung, diesmal eine geringe Menge. Das Ölfeld Prudhoe Bay musste geschlossen werden. Mitte August musste wegen Problemen mit einer Leitung ein weiteres Feld geschlossen werden.
BP-Sprecher Steve Rinehart wies Hamels Vorwürfe zurück. Es habe sich um einen völlig normalen Prozess der Erforschung des Sachverhalts gehandelt. "Wir haben zusätzliche Informationen geliefert, um Fehler bei den Fakten und der Analyse von Coffman Engineers zu korrigieren", sagte Rinehart. Er betonte, es sei keinerlei Druck auf die Umweltbehörde ausgeübt worden. ADEC-Sprecherin Lynda Giguere sagte, Änderungen zwischen dem ersten Entwurf eines derartigen Berichts und seiner endgültigen Fassung seien "nicht unüblich". Weiter wollte sie sich zu dem Fall wegen der laufenden Ermittlungen gegen BP nicht äußern.
kaz/Dow Jones/AFP