Ölpreis Angst vor der Hurrican-Saison
Singapur - Ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl der Sorte WTI kostete am Montag im asiatischen Handel 55,42 Dollar und damit 39 Cent mehr als bei Handelsschluss am Freitag. Damit rückt das im April erreichte Rekordhoch von 58,28 Dollar wieder in Sichtweite, nachdem der Preis im Mai bis auf 46,20 Dollar gesunken war. "Am Markt gibt es Befürchtungen, dass Heizöl und Diesel im späteren Jahresverlauf knapp werden könnten", sagte Analyst Victor Shum vom Energieberatungshaus Purvin and Gertz.
Die möglichen Engpässe werden zum einen auf den andauernden Energiehunger Chinas zurückgeführt zum anderen aber auf den saisonbedingt höheren Verbrauch der Amerikaner. Denn in den USA steht die Ferienzeit bevor. Auto- und Flugverkehr werden also deutlich zunehmen.
Anlass zur Besorgnis gibt aber auch die bevorstehende Hurrican-Saison in den Südstaaten der USA. Fachleute verweisen auf die Schäden, die die Wirbelstürme im vergangenen Jahr an Bohrtürmen, Pumpstationen und Pipelines angerichtet hatten. Allein im vergangenen September hatten die durch den Hurrican Ivan angerichteten Schäden zu einem Produktionsausfall in Höhe von 30 Millionen Barrel Rohöl geführt. "Die Erinnerung an Ivan wird zu deutlicher Nervosität an den Märkten führen, auch wenn ein Schadensfall in diesem Jahr gar nicht eintreten wird", ist sich John Sullivan von Energyintel, einer in Houston ansässigen Öl-Agentur sicher.
Wie sich die Situation auf die Heizöl- und Benzinpreise hier zu Lande auswirken wird, ist nach Auskunft des Mineralölwirtschaftsverbands nicht seriös vorherzusagen. "Die derzeitigen Preissteigerungen sind eher auf die Befürchtungen der Marktteilnehmer zurückzuführen, dass diesel- und Heizöl knapper werden könnten", sagt Verbandssprecherin Barbara Meyer-Bukow. Das Problem stellten die Raffinerie-Kapazitäten dar, die nicht ausreichend vorhanden seien. "Das könnte jedenfalls zum Jahresende zu steigenden Preisen führen", so Meyer-Bukow. Anders sähe die Situation beim Benzin aus. "Hier verfügen die Mineralölkonzerne über genügend Reserven.