Ölpreis: Geheime Quellen in der Schweiz - DER SPIEGEL
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Ölpreis Geheime Quellen in der Schweiz

Derzeit regiert der Ölpreis die Welt. Für diejenigen, die keine eigenen Ölquellen haben, bleibt damit nur eines übrig: Man muss sich selbst welche erfinden.
Von Bernd Niquet
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Ölpreis ist in der letzten Zeit enorm angestiegen und notiert derzeit bei etwa 33 Dollar je Barrel. Die Menschen in den Industrieländern sind sehr stark vom Öl abhängig. Nicht nur hinsichtlich der Heizung und der Fortbewegung, sondern ebenso in Hinsicht auf tausende anderer Industrieprodukte. Sollte man daher diesen Wohlstandstransfer nutzen, heimische Aktien verkaufen und nach arabischen Werten Ausschau halten?

Ich schlage dagegen vor, die Aktien von Nestlé zu kaufen. Schauen wir dazu auf die Zahlen: Ein Liter Rohöl kostet am Weltmarkt umgerechnet etwa 50 Pfennig. Dafür wird es aus der Erde gepumpt, mit Pipelines zu Tankschiffen geleitet und mit diesen in die europäischen Häfen transportiert. Dort schließlich wird es auf Tanklaster geladen, in Raffinerien gekarrt, verarbeitet und schließlich wieder mit Tankwagen zum heizwilligen Kunden befördert, der schließlich bei einer mittleren Abnahmemenge etwa 1 DM pro Liter zu zahlen hat.

Zieht man von diesem Preis die Steuerbelastung von rund 25 Prozent ab, dann verbleiben also für den Händler netto etwa 75 Pfennig. Insgesamt hat der ganze Prozess also allen viel Mühe gemacht, doch ein richtiges Geschäft wird hieraus nur durch die enormen Mengen, die wir alle täglich durch Auspuff und Schornsteine jagen.

Der Nestlé-Konzern hat es dazu vergleichsweise einfach. Nestlé besitzt nämlich das Öl der Zukunft - und das hat folgende Namen: Perrier, Vittel, San Pellegrino, Contrex, Valvert und Quezac. Hier muss nichts stinkend und in glühender Sonne mühsam aus dem Boden gebohrt werden, wie dies die armen Araber machen, sondern hier wird einfach die Flasche unter den Hahn der entsprechenden Quelle gehalten. Und fertig. Kein Schmutz, kein Gestank, keine Hitze, kein schwieriger Transport. Und vor allem: Wenn man das Perrier an den Stränden der Bretagne auskippt, dann muss man keine Strafe zahlen, sondern dann freuen sich sogar die Fische.

Und der Preis? Na, auf 1 DM pro Liter kommt Nestlé bei seinen Marken mit Leichtigkeit. Wobei die Steuerbelastung im Vergleich zum Öl noch weitaus geringer ist. Oder wird etwa Mineralwasser auch unter die Ökosteuer fallen? Und die Kunden, die sich über die hohen Energiepreise überhaupt nicht mehr beruhigen können, schütten sich jährlich das teure Nichts in Milliarden Litern die Kehle hinunter. Um genau zu sein: 12 Milliarden Liter hat Nestlé im letzten Jahr von seinen Wassern verkauft. Und die Gewinnspanne? Oh là là, darüber schweigen sich die klugen Schweizer natürlich lieber aus.

Die Marktwirtschaft kann also durchaus skurrile Effekte hervorbringen. Denn nichts befördert Innovationen besser als freie Märkte. Wer also selbst kein Öl hat, der macht sich einfach selber welches. Hahn auf, Flasche runter, Hahn wieder zu. Und dann in den Medien ein Trommelfeuer starten, bis auch der letzte glaubt, dass nur derjenige etwas zählt im Leben, der das richtige Wasser trinkt.