Ölpreis-Inflation Emirate wollen den Hahn aufdrehen
Abu Dhabi/Beirut/Frankfurt am Main - Insgesamt will das Emirat, das neben Saudi-Arabien über die größten Erdölvorräte der Opec-Staaten verfügt, die ihm zugeteilte Quote im Juni um 400.000 Barrel pro Tag (159 Liter-Fass) erhöhen. Insgesamt liefert die Opec zurzeit 23,5 Millionen Barrel pro Tag.
Die Zusatzlieferungen sollen dazu beitragen, den Preisanstieg an den Märkten wieder unter Kontrolle zu bringen, der am Dienstag mit einem Preis von 42,45 Dollar pro Fass ein 21-Jahres-Hoch erreicht hatte.
Gleichzeitig appellierte Nasseri an die Opec-Mitglieder, auf der Versammlung am Donnerstag in Beirut eine Erhöhung der Quote um zwei Millionen Barrel pro Tag zu beschließen. Unterstützung erhält er in diesem Punkt vom saudischen Ölminister Ali Naimi. Saudi-Arabien folge damit den Bedürfnissen des Marktes, sagte Naimi. Zwar haben sich Venezuela und andere Mitglieder der Organisation Erdölexportierender Staaten gegen eine Ausweitung der Förderung gewandt. Nach dem Terroranschlag im saudiarabischen Ölzentrum Chobar vom Wochenende gilt es aber als unwahrscheinlich, dass sich dieses Lager auf der Konferenz in Beirut durchsetzen kann.
Am ersten Handelstag nach dem Terroranschlag war der Ölpreis weltweit kräftig angestiegen. An der New Yorker Rohstoffbörse schnellte der Preis für ein Barrel Rohöl mit Liefertermin im Juli am Dienstag um 2,45 Dollar oder sechs Prozent auf 42,33 Dollar hoch. "Da gibt es offensichtlich eine Angstprämie", sagte der Ölmarktexperte Seth Kleinman von der Washingtoner Beratungsfirma PFC Energy. Andere Fachleute sprachen allerdings auch davon, dass Händler die Terrorangst für spekulative Geschäfte ausnutzten.
In Deutschland warnen unterdessen Experten vor einer Überreaktion auf die hohen Ölpreise. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Wiegard, sprach sich insbesondere gegen eine Senkung der Ökosteuer aus. Der "Berliner Zeitung" sagte Wiegard, dass die Ölpreisentwicklung natürlich "ein gewisses Risiko" für die Konjunktur darstelle. Modellgestützte Berechnungen, nach denen ein anhaltend hoher Ölpreis das Bruttoinlandsprodukt möglicherweise um einen Viertelprozentpunkt pro Jahr absenkt, seien aber mit Vorsicht zu genießen.
"Deshalb sollten wir jetzt nicht gleich in eine neue Hysterie verfallen", zitierte das Blatt Wiegard. Vor nicht allzu langer Zeit sei die Wechselkursentwicklung als Bedrohung empfunden worden, jetzt sei es die Ölpreisentwicklung. "Ganz falsch wäre es meines Erachtens, mit hektischen Maßnahmen zu reagieren und etwa die Ökosteuer zu senken", erklärte der Wirtschaftsweise: "Die steigenden Preise signalisieren eine zunehmende Ölknappheit, die sich nicht dadurch beseitigen lässt, dass die Ökosteuer reduziert wird."
Der Chemnitzer "Freien Presse" sagte Wiegard, dass erst ein Ansteigen des Ölpreises um zehn Dollar je Barrel über vier Quartale das Wirtschaftswachstum in den beiden folgenden Jahren um rund 0,25 Prozent geringer ausfallen lasse.