Ölpreis-Koller "Das wirkt wie eine Steuererhöhung"
Washington/Hamburg - An der wichtigsten Ölbörse der Welt, der New Yorker Nymex, wurde im Handel am Montag ein neuer Rekordwert von 44,95 Dollar pro Barrel (159 Liter) registriert. Dies war exakt ein Dollar mehr als am Freitag. Auch in London wurde mit 41,38 Dollar ein neuer Höchstwert erreicht, der 75 Cent über dem am Freitag lag.
Als Gründe für den neuerlichen Höhenflug des Ölpreises nannten Analysten neue Sorgen um die Zukunft des russischen Erdölgiganten Jukos sowie die vorläufige Einstellung der Ölförderung im südlichen Irak, wo die Southern Oil Company nach eigenen Angaben Anschläge befürchtete. 90 Prozent der irakischen Ölexporte werden von der südlichen Stadt Basra aus weiterbefördert.
Im weltweiten Durchschnitt näherte sich der Ölpreis in der vergangenen Woche der 40-Dollar-Marke an. Ein Barrel (159 Liter) Opec-Öl kostete im Wochenmittel 39,13 Dollar, nach 37,40 Dollar in der Woche davor, wie die Organisation Erdöl exportierender Länder in Wien mitteilte. Allein am Freitag gab es einen Preissprung auf 39,67 Dollar.
"Gefahren sind unterschätzt worden"
Die Opec ermittelt werktäglich den Durchschnittspreis für ihre Ware. Dazu werden die Preise für Ölsorten mehrerer Mitgliedsländer wie Saudi-Arabien, Dubai, Algerien, Indonesien oder Venezuela zu einem so genannten Korbpreis verrechnet. Im Jahr 2003 lag dieser Preis über das ganze Jahr gerechnet bei 28,10 Dollar.
In New York hatte der Ölpreis vergangene Woche mit 44,41 Dollar zum Handelsschluss am Donnerstag einen vorläufigen Rekord erreicht. Am Freitag gab er leicht nach auf 43,95 Dollar. In London betrug der bisherige Rekordwert vom vergangenen Donnerstag 41,12 Dollar pro Barrel. Am Freitag fiel er auf 40,63 Dollar zurück.
Der hohe Ölpreis droht nach Einschätzung führender Volkswirte die Konjunktur spürbar zu belasten. "Ein Ölpreis über 40 Dollar ist ganz klar ein Alarmsignal", sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise der "Financial Times Deutschland". Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sagte: "Wenn die Preise längere Zeit da verharren, wo sie derzeit sind, müssten wir unsere Prognose senken."
Laut Heise bedeutet ein anhaltend hoher Ölpreis von mehr als 40 Dollar "eine kräftige Abschwächung" des Wachstums sowohl in Europa als auch in den USA. "In meinen Augen sind die Gefahren der Ölpreise in den vergangenen Monaten unterschätzt worden", sagte Heise dem Blatt.
"Der hohe Ölpreis wirkt wie eine Steuererhöhung", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Konsumenten und Firmen würden durch die höheren Energiekosten belastet; zugleich würden die Ölförderländer nicht ihre ganzen Mehreinnahmen für Waren aus den Industrieländern ausgeben.
Ähnlich äußerte sich Kater: "Bei steigenden Benzinpreisen bleibt den Verbrauchern weniger Geld für anderen Konsum."