Ölpreis-Rekord: "Der Markt brodelt" - DER SPIEGEL
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Ölpreis-Rekord "Der Markt brodelt"

Noch immer wird das Öl auf den Weltmärkten teurer und teurer. In Asien stieg der Preis pro Barrel auf ein neues Jahreshoch. Die Aktienkurse hingegen geben nach - Händler fürchten eine weitere Eskalatation der Ölkrise.
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Singapur/New York – Weil Berichte über einen starken Rückgang der US-Lagerbestände an Benzin den Markt belasteten, kletterte der Rohölpreis in Asien am Morgen um weitere zwölf Cent auf 72,29 Dollar je Barrel. "Der Markt brodelt", erklärte Energieexperte Victor Shum von Purvin & Gertz in Singapur.

Gestern hatte der Rohölpreis in New York den dritten Tag in Folge auf Rekordstand geschlossen. Der Preis für ein Barrel amerikanischen Leichtöls kletterte um 82 Cents auf 72,17 Dollar (Mai-Kontrakte). Als Hauptursache für den jüngsten Höhenflug des Ölpreis nennen Experten die politischen Spannungen wegen des iranischen Atomprogramms und die anhaltenden Gewalt in Nigeria.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,19 Prozent schwächer bei 17.317 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index lag zu Handelsschluss kaum verändert bei 1747 Zählern. Die Anleger machten sich langsam Sorgen, dass der hohe Ölpreis die Gewinne der Unternehmen schmälern könnte, sagte Kenichi Hirano von Tachibana Securities.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will am Montag in Doha angesichts der Preisentwicklung informell beraten. Die Opec produziert seit mehr als einem Jahr bereits am oberen Ende ihrer Kapazität. Nach früheren Angaben aus dem Ölministerium in Katar will das Kartell seine Produktionsmenge für den Rest des Jahres auf dem bisherigen Niveau halten, falls die Nachfrage anhält und die Ölpreise weiter "zu hoch" bleiben.

BP-Manager: Der Markt ist emotional

Experten hatten zuletzt nicht ausgeschlossen, dass ein Liter Super-Benzin an deutschen Tankstellen bald mehr als 1,50 Euro kosten könnte. Der Europäischen Mineralölwirtschaftsverband (Europia) betonte jedoch, mittelfristig könne der Preis für Öl und Benzin wieder deutlich sinken. "In zwei, drei, vier Jahren rechnen wir im Grunde genommen damit, dass der Ölpreis so auf ein Niveau von 40 Dollar zurückgehen wird", sagte Verbandspräsident und Europa-Chef des Ölkonzerns BP, Wilhelm Bonse-Geuking, im "heute-journal" des ZDF.

Derzeit spielten beim Ölpreis aber noch emotionale Faktoren eine große Rolle - vor allem die Befürchtungen, dass sich die Krise noch verschärfen könnte. "Da kann man nicht sagen, dass wir kurzfristig den Preis senken können", so Bonse-Geuking. Ein Preisrückgang sei aber möglich, wenn die Verbraucher Zurückhaltung betrieben und die Verbraucherländer ihrerseits zu Mäßigung aufriefen.

itz/Reuters/dpa/AFP