Ölpreis-Rekord: Preisschraube kennt kein Ende - DER SPIEGEL
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Ölpreis-Rekord Preisschraube kennt kein Ende

Die Unsicherheit über die Lage im Nahen Osten treibt die Ölpreise auf immer neue Rekordhöhen. An den Rohstoffmärkten in New York durchbrach der Preis pro Barrel die 41-Dollar-Marke. Die Auswirkungen auf den deutschen Markt sind noch gar nicht abzusehen.
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Hamburg - "Niemand weiß, was in den nächsten Monaten passiert", sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Picard bei der Vorstellung des Mineralöl-Jahresberichts. Sicher sei nur, dass die jetzigen Rekordpreise eine politische "Unsicherheitsprämie" enthielten: Die Lage im Nahen Osten lasse Ängste vor Versorgungsstörungen entstehen und treibe die Preise an den Börsen nach oben.

Doch auch der wie jedes Frühjahr zum Beginn der Fahrsaison sprunghaft angestiegene Kraftstoffbedarf der USA verteure zurzeit das Benzin. Die dortigen Benzinimporte seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Im Jahr 2003 mussten die Amerikaner 39 Millionen Tonnen Benzin importieren, weil die heimische Produktion den jährlichen Bedarf von rund 400 Millionen Tonnen nicht deckte. Zum Vergleich: Der gesamte Benzinverbrauch Deutschlands, des größten Marktes in Europa, betrug 2003 nur knapp 26 Millionen Tonnen, fünf Prozent weniger als im Vorjahr.

Wegen der technologischen Entwicklung hin zu sparsameren Motoren rechnet der Verband auch für die nächsten Jahre mit weiter sinkendem Benzinverbrauch in Deutschland. Zum Jahr 2020 geht die Mineralölindustrie nur noch von einem Verbrauch von 17,5 Millionen aus. Eine ähnliche Entwicklung dürfte den gesamten Markt betreffen: Schon 2003 sank der Mineralölabsatz insgesamt um 2,5 Prozent auf 115 Millionen Tonnen. 2020 dürften in Deutschland nur noch 102 Millionen Tonnen verbraucht werden, sagte Picard. Voraussetzung für diese Prognosen sei aber, dass der Rohölpreis sich auf ein moderates Niveau einpendele, hieß es.

An der New Yorker Rohstoffbörse war der Preis für ein Barrel der Sorte WTI bis Donnerstagnacht auf 41,08 Dollar gestiegen - der höchste Stand in der 21-jährigen Geschichte des Handels von Öl-Verträgen an der New Yorker Rohstoffbörse. Der bisherige Höchststand waren 41,07 Dollar am 11. Oktober 1990 vor dem Golfkrieg. Der Preis für Opec-Öl stieg auf 36,93 Dollar, wie die Organisation Erdöl exportierender Länder am Freitag in Wien mitteilte.

Erst am Donnerstag hatten die Ölkonzerne in Deutschland die Benzinpreise kräftig erhöht: Unter Führung der Shell stiegen die Benzinpreise um vier Cent pro Liter, wie der Fachdienst EID mitteilte. Das Niveau der Benzinpreise in Deutschland hat damit ein neues Rekordniveau über 1,20 Euro pro Liter Superbenzin erreicht.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern gibt es mehrere Gründe für den Anstieg der Ölpreise: die Angst vor Anschlägen auf Ölanlagen im Nahen Osten, kräftige Nachfrage durch die Industrialisierung in China, spekulative Käufe, unterdurchschnittliche Lagerbestände im wichtigsten Verbraucherland USA.

Das wichtigste Mitgliedsland der Opec, Saudi-Arabien, hatte am Dienstag eine Fördererhöhung vorgeschlagen, was zu einem deutlichen Preisrückgang geführt hatte, der aber nicht lange vorhielt. Am Mittwoch teilte die Opec mit, dass die Mitgliedsländer bereits zwei Millionen Barrel mehr förderten als ihre selbst auferlegte Förderrate von 23,5 Millionen Barrel am Tag. Die Opec produziert ein Drittel der Weltölförderung.