Ölpreis: Zenit ist noch nicht erreicht - DER SPIEGEL
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Ölpreis Zenit ist noch nicht erreicht

Der Ölpreis wird noch weiter ansteigen: Die Opec schließt einen Preis von 40 Dollar nicht aus. US-Präsident Bill Clinton denkt bereits über die Freigabe der Reserven nach.
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Prag - Der Rohölpreis lag am Mittwoch in Asien mit 37,08 Dollar pro Barrel nur knapp unter dem Spitzenwert während des Golfkrieges vor zehn Jahren. Der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Ali Rodriguez, schloss sogar 40 Dollar nicht aus.

Für das hohe Preisniveau sehen Experten vielfältige Ursachen. Rodriguez, der auch Ölminister Venezuelas ist, geht davon aus, dass der Preis aufgrund von Spekulationen um acht Dollar über dem Angebots- und Nachfragepreis liege. Die gegenwärtige Preisentwicklung sei von der Opec nicht zu kontrollieren. Die Organisation hatte kürzlich die Förderung um 800.000 Barrel pro Tag erhöht. Aus ihrer Sicht hat sie damit ihren Teil zur Preisstabilisierung getan. Neben den Spekulationen sieht die Opec Engpässe in den US-Raffinerien und die Steuerpolitik der Industrieländer als Ursachen für das hohe Preisniveau.

Auch US-Präsident Bill Clinton sagte, der Preisanstieg sei durch Spekulationen stimuliert worden. Sie rankten sich um die Fragen, ob der Irak seine Förderung einstelle, wie groß die Kapazitäten der US-Raffinerien seien und wie viel Öl derzeit in Tankern auf den Weltmeeren unterwegs sei. Er werde die Entwicklung in den nächsten Tagen beobachten, bevor er über eine Freigabe der strategischen Ölreserve zur Senkung der Preise entscheide. Die Reserve umfasst 571 Millionen Barrel Öl und wurde bislang nur einmal angezapft, und zwar während der Golfkrise 1990 bis 1991.

Zu dem Ölpreisanstieg haben auch die jüngsten Daten über die Lagerbestände der Ölindustrie in den USA beigetragen. Sie zeigen für die Woche bis zum 15. September einen Rückgang um zwei Millionen Barrel auf 287 Millionen - das sind mehr als 22 Millionen Barrel weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Auch die Bestände an Öldestillaten wie Heizöl liegen den Angaben zufolge um 28 Millionen Barrel unter dem Vorjahresniveau.

Nicht zuletzt haben die Beschuldigungen Iraks an die Adresse Kuweits den Ölpreis unter Druck gesetzt. Der Irak warf Kuweit vor, Öl von seinen Fördergebieten zu stehlen, und drohte mit Gegenmaßnahmen. Eine solche Anschuldigung war 1990 der irakischen Aggression gegen Kuweit vorangegangen. Die USA warnten die Regierung in Bagdad daher umgehend, sie würden jegliche feindliche Akte gegen Kuweit mit Gewalt ahnden.

Opec-Chef Rodriguez sagte, wenn der Rohölpreis die 40-Dollar-Marke erreiche, sehe er die Notwendigkeit für ein dringendes Eingreifen der Opec, die 60 Prozent aller Ölexporte kontrolliert. Sie hat für den 12. November ein Sondertreffen geplant, um die Marktlage zu analysieren. Mehrere Opec-Repräsentanten schlossen jedoch nicht aus, dass die Förderung schon vorher erhöht wird, falls der Höhenflug des Ölpreises anhält. Dafür brauche die Opec kein Treffen, sagte ihr Generalsekretär Rilwanu Lukman am Dienstag.