Ölpreise "Schock vor dem Winter"
SPIEGEL:
Wohin klettern die Benzinpreise an den Tankstellen?
Holger Krawinkel: Es ist zu früh Entwarnung zu geben, auch wenn die Preise etwas nachgegeben haben. Nach der Katastrophe in den USA sowie möglicher weiterer Naturkatastrophen und den noch unklaren Folgen für die Ölindustrie sowie kann sich der Barrel-Preis für Rohöl durchaus der Marke von 100 US-Dollar nähern. Das hieße dann 1,75 Euro für einen Liter Benzin in Deutschland.
SPIEGEL: Ist das eine Abzocke der Ölkonzerne bei den Verbrauchern?
Krawinkel: Die Konzerne verdienen zwar prächtig. Die Preise an der Tankstelle spiegeln aber nicht nur das Niveau an den Rohölbörsen wieder. Sie reagieren auf die noch stärker gestiegenen Preise an den gesonderten Märkten für Benzin und Heizöl. Und wir müssen mit weiteren Aufschlägen rechnen.
SPIEGEL: Inwiefern?
Krawinkel: Der Schock wird für viele Hausbesitzer jetzt beim Einkauf des Heizöls für den Winter kommen. Seit der letzten Tankfüllung sind nochmals fünfzig Prozent mehr fällig, und das Erdgas zieht nach.
SPIEGEL: Was kann der Verbraucher denn tun?
Krawinkel: Spritsparende Automodelle nachfragen und eine bessere Wärmedämmung bei Altbauten umsetzen. Hier hat sowohl die Industrie als auch die Bundesregierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die gesamte Fahrzeugflotte in Deutschland verbraucht jährlich immer noch rund 50 Milliarden Liter Treibstoffe, der Durchschnittsverbrauch liegt dabei pro Fahrzeug mit gut sieben Liter pro hundert Kilometer zu hoch. Er könnte längst halbiert sein. Spritsparende Hybrid-Modelle mit einem kombinierten Antrieb aus Elektro- und Verbrennungsmotor verkaufen sich inzwischen in den USA besser als bei uns. Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Ölpreise dauerhaft oben bleiben.
Das Gespräch führte Sebastian Knauer