Offensive: Airbus legt beim A350 kräftig nach - DER SPIEGEL
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Offensive Airbus legt beim A350 kräftig nach

Die Kritik und noch mehr die geringe Nachfrage haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Eingeweihten Kreisen zufolge will der europäische Flugzeughersteller Airbus seine Anstrengungen für die Entwicklung der A350-Familie verdoppeln.
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München - Der Schock saß tief: In der ersten Jahreshälfte 2006 hatte Boeing gleich vier Mal so viele neue Aufträge akquiriert wie die EADS-Tochter   Airbus. Wohl oder übel müssen die Europäer jetzt nachlegen. Analysten schätzen, dass die Entwicklung der neuen A350-Familie etwa zehn Milliarden Dollar kosten wird. Für das ursprünglich geplante Modell hatte Airbus die Kosten auf fünf Milliarden Dollar beziffert.

Neben etlichen technischen Neuerungen soll die sichtbarste Veränderung in der Strategie die Erweiterung der A350-Flotte von bisher zwei auf drei Varianten sein. In den Kreisen hieß es, die nun geplanten Modelle dürften voraussichtlich die Bezeichnung A350-800, A350-900 und A350-1000 tragen. Es sei aber auch noch möglich, dass die Flugzeugfamilie A370 genannt werde. Die Maschinen dürften zwischen 250 und 400 Sitzen haben und für unterschiedliche Streckenlängen ausgelegt sein.

Die drei Varianten sollten Airbus in die Lage versetzen, sowohl mit dem stark nachgefragten geplanten Boeing-Modell 787 "Dreamliner" als auch mit dem größeren Modell 777 zu konkurrieren, hieß es. "Sie steuern definitiv darauf zu, drei Varianten zu bringen. Damit wollen sie es gleichzeitig mit der 787 und der 777 aufnehmen", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Die ersten Auslieferungen dürften sich durch die umgearbeiteten Pläne um zwei Jahre auf 2012 verzögern. Airbus lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass der neue Firmenchef Christian Streiff auf der am Montag beginnenden Luftfahrtmesse im britischen Farnborough den Stand der Überlegungen für den A350 bekannt geben werde.

Negative Schlagzeilen

Die ursprünglich für die Einführung im Jahr 2010 gedachte zweistrahlige A350 sollte mit der Boeing 787 konkurrieren, die aber zwei Jahre früher auf den Markt kommt und wesentlich mehr Kunden locken konnte. Nach der überraschend ungefilterten Kritik aus der Luftfahrtbranche, wonach das Airbus-Konzept für den A350 zu wenige Innovationen enthält, hatte sich Airbus zu einer Überarbeitung des Vorhabens entschlossen.

In den Kreisen hieß es, Airbus arbeite noch an den Details für die geplanten Langstreckenjets. Das Unternehmen berücksichtige dabei aber die Notwendigkeit, den Flugzeugrumpf zu vergrößern und in der Modellfamilie auch eine dritte, größere Variante anzubieten. Für einen offiziellen Startschuss für die Modellreihe in Farnborough sei es aber noch zu früh, zumal der neue Airbus-Chef Streiff nicht einmal einen Monat im Amt sei.

Nachrichten von Airbus und dem Mutterkonzern EADS hatten zuletzt in erster Linie für negative Schlagzeilen gesorgt: Neben dem Misserfolg des ursprünglichen A350-Konzepts hatte Airbus eine erneute Lieferverzögerung für den doppelstöckigen Superjumbo A380 ankündigen müssen - mit enormen wirtschaftlichen Folgen: Der operative Gewinn des Mutterkonzerns EADS wird durch die Verzögerungen beim A380 wegen Problemen mit der Elektronik bis 2010 um zwei Milliarden Euro belastet. Der Kurs der EADS-Aktie war danach drastisch gefallen. In der Folge mussten EADS-Vorstandschef Noel Forgeard und Airbus-Chef Gustav Humbert ihre Posten räumen.

mik/Reuters