Online-Auktion: Raffinierte Werbebotschaft - DER SPIEGEL
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Online-Auktion Raffinierte Werbebotschaft

Harald Summa griff zum Superlativ. Dem E-Commerce stehe ein "historischer Moment" bevor, schwärmte der Geschäftsführer des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft. Erstmals werde übers Web eine "Ölraffinerie" versteigert. Der angebliche Verkäufer, VEBA Oel, sieht das anders.
Von Rüdiger Ditz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Es geht um eine Kohleöl-Anlage in Bottrop, die VEBA Oel im Dezember aus Kostengründen stillgelegt hatte. In dem Werk wurde seit Anfang der achtziger Jahre aus Altkunststoffen Öl recycelt. Nach Angaben der an dem Geschäft beteiligten Online-Firmen, dem Auktionshaus eBay und der Werbeagentur Niewerth, hat die Anlage einen Wert von 250 Millionen Mark. Die Versteigerung sei "ein Novum in der Geschichte des weltweiten Internet".

VEBA-Oel-Sprecher Jens Schreiber wundert sich über die Darstellung. Weder sei die Anlage eine Raffinerie, noch 250 Millionen Mark wert, geschweige denn werde die Fabrik en bloc verkauft. "Was wir anbieten, sind ausgesuchte Anlageteile wie Behälter, Reaktoren oder Pumpen", erklärte Schreiber. "Es geht wirklich nur um Teile, nicht um die komplette Anlage."

Wer sich bei Ebay auf das Angebot durchklickt, bekommt dann auch einen Eindruck von dem Angebot. Da gibt es Ammoniakwäscher für 600 Mark, Heißabscheider für 30.000 Mark oder eine Lkw-Waage für 72.000. Für die gesamte Anlage, wie suggeriert, kann man nicht bieten. Schreiber: "Da haben die Anbieter wohl etwas mehr Werbung in eigener Sache als für das Produkt gemacht."