Online-Lebensmittelhandel Bayerische Würstchen bei Amazon
Hamburg - Neuerdings gibt es bei Amazon auch Pasta, Müsli und Dosensuppen - allerdings nur in den USA. Wer im Online-Supermarkt bei www.amazon.com bestellt, bekommt den Einkauf als Paket geliefert. Und für den regelmäßigen Einkauf lassen sich Listen abspeichern, die das Erledigen der Besorgungen vereinfachen sollen. Überwiegend bietet das weltgrößte Internet-Kaufhaus aus den USA, das als Online-Buchhändler groß geworden ist, Lebensmittel an, die nicht leicht verderblich sind.
Das neue Geschäftsfeld ist ein Wagnis. Die Idee, Lebensmittel online zu verkaufen, hatten schon viele - die meisten scheiterten mit dem Dot.com-Crash 2001. Investoren setzten beispielsweise Ende der neunziger Jahre ihre Hoffnungen in das Kaufhaus Webvan, das einst plante, sein Geschäft für eine Milliarde Dollar auszubauen - inzwischen ist das Unternehmen Geschichte. Ein anderer Online-Supermarkt in den USA überlebte die Krise vor fünf Jahren: Peapod ist derzeit in neun US-Bundesstaaten tätig. Und die Firma FreshDirect liefert innerhalb New York Citys. Andere, herkömmliche Supermärkte in den USA wie Safeway liefern online bestellte Ware nur in der Umgebung der jeweiligen Filiale aus oder lassen die Einkäufe vom Kunden abholen. Ob sich das Geschäft lohnt, muss sich noch herausstellen.
Amazon geht das Risiko Online-Lebensmittelhandel dennoch ein - und verschickt sogar portofrei innerhalb des gesamten Landes. Rund 10.000 Produkte sind im Sortiment, in einer eigenen Kategorie für Gourmets finden sich abgepackter Käse und Fleischwaren, darunter für germanophile Amerikaner eine Großpackung "bayerischer Oktoberfest-Bratwürstchen". Sogar tiefgekühlte Produkte wie Garnelen sind im Programm, für die allerdings saftige Porto- und Lieferkosten berechnet werden. Und die Packungsportionen sind grundsätzlich eher für Familien geeignet denn für Single-Haushalte. Derzeit werde das Sortiment erweitert, heißt es bei dem Unternehmen in Seattle im US-Bundesstaat Washington.
Angesichts eines nur mäßigen Wachstums und zunehmenden Wettbewerbsdrucks sieht sich Amazon gezwungen zu handeln. Mit der Erweiterung des Geschäftsbereichs sollen neue Kunden gewonnen und alte Kunden an das Unternehmen gebunden werden. Wie bei der Einführung anderer Produktsegmente hatte Amazon die Lebensmittelabteilung Ende Mai zunächst auf einer Testseite eingeführt, um das Geschäft zu beurteilen. Nach und nach werde das Angebot nun erweitert, heißt es. Ob auch außerhalb der USA, wollte das Unternehmen noch nicht sagen.
"Wir versuchen, unseren Kunden ein Einkaufsportal zu bieten, wo sie alles bekommen, was sie brauchen. Und Lebensmittel sind etwas, wonach unsere Kunden immer wieder gefragt haben", sagte Amazon-Sprecherin Tracy Ogden. "Wir erweitern unser Sortiment nicht nur im Lebensmittelbereich, sondern in allen Abteilungen."
kaz/Reuters