Onur Air: Türken wittern Verschwörung - DER SPIEGEL
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Onur Air Türken wittern Verschwörung

Der Streit um die türkische Charterfluglinie Onur Air nimmt an Schärfe zu. Vier europäische Länder hatten ein Start- und Landeverbot für die Maschinen der Airline verhängt. Nun greift der türkische Tourismusminister Deutschland, Frankreich, die Niederlande und die Schweiz an.
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Istanbul - Der Türkei würden im Tourismus "Hindernisse von außen" in den Weg gelegt, wetterte Tourismusminister Atilla Koc vor Journalisten in der Türkei. Eine "starke" Fluglinie wie Onur Air, die etwa 3,5 Millionen Touristen ins Land bringen könne, sei gestoppt worden, "nur weil es bei ein oder zwei Maschinen Pannen gegeben haben soll", sagte der Minister.

Vertreter der niederländischen Flugaufsicht und der privaten Gesellschaft Onur Air beratschlagten derweil über das zuerst von Den Haag verhängte Flugverbot. Die Niederlande hatten am 12. Mai aus Sicherheitsgründen ein einmonatiges Flugverbot gegen die Gesellschaft verhängt. Wie ein Sprecher der niederländischen Regierung mitteilte, sei die deutsche Flugaufsicht an diesem Kontakt in Hoofddorp beim Amsterdamer Flughafen Schiphol nicht beteiligt.

Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" sind an Maschinen der Onur Air defekte Triebwerke und abgefahrene Reifen entdeckt worden. Bei Flügen fehlten Versicherungspolicen, die mitgeführt werden müssen. Einige Piloten hätten ihre Fluglizenzen nicht mit im Cockpit gehabt. Das Blatt bezog sich auf Informationen niederländischer Luftfahrtkreise. "Onur Air hatte von uns eine Liste aller Mängel, wurde mehrfach verwarnt, zuletzt Dienstag", sagte Fred van Zeel von der niederländischen Luftfahrtbehörde. Dem Bericht zufolge soll Onur Air nicht nur eigene Maschinen im Einsatz haben, sondern chartere regelmäßig dazu, oftmals "von Fluggesellschaften jenseits des Urals".

Auch Deutschland, Frankreich und die Schweiz hatten sich dem Start- und Landeverbot für Onur Air angeschlossen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin sagte heute zu einer möglichen Aufhebung des Verbots: "Die Onur Air muss vorher nachweisen, dass die Mängel behoben sind." Belgien und Österreich kündigten schärfere Kontrollen an. Dänemark gab nach einer Prüfung am Pfingstwochenende grünes Licht für Starts und Landungen der Onur Air. Es habe "nicht die geringsten Hinweise auf Probleme" gegeben, hieß es. In der EU gibt es keine Regeln für die einheitliche Übernahme von Flugverboten.

In der Türkei wurden Vorwürfe laut, die niederländischen Behörden hätten unter dem Vorwand technischer Mängel bei Onur Air zu Gunsten eigener Gesellschaften in den Wettbewerb eingegriffen. Im französischen Rundfunk wurde ebenfalls über einen kommerziellen Hintergrund des Verbots spekuliert, da Onur Air in den Niederlanden einer großen Türkei-Chartergesellschaft Kunden abgejagt habe.

Der Onur-Air-Sprecher bekräftigte, dass kein einziger Reisender, der für die Türkei gebucht habe, im Heimatflughafen zurückgeblieben sei. Rund 7000 Touristen seien in den vergangenen beiden Tagen aus den vier betroffenen Ländern nach Antalya gebracht worden; etwa 5500 Urlauber seien aus Antalya in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die Gäste werden mit angemieteten Maschinen türkischer Gesellschaften oder mit Flugzeugen ausländischer Airlines geflogen.

Minister Koc geht für 2005 von einem Zuwachs im Türkei-Tourismus von 20 Prozent und mehr aus, "wenn keine außerordentlichen Zustände dazwischen kommen". Im vergangenen Jahr besuchten 17,5 Millionen Urlauber die Türkei. Fast ein Viertel davon kam aus Deutschland.

Der Präsident des Deutschen Reisebüroverbandes, Klaus Laepple, befürchtet nach dem Verbot für Onur Air hohe Ausfallkosten für deutsche Reiseunternehmen. "Wenn sich die betreffenden Parteien nicht einigen, kann es für die Reiseveranstalter zu Verlusten im siebenstelligen Bereich kommen", sagte Laepple. Sollte Onur die Verträge mit den deutschen Reiseveranstaltern nicht erfüllen, müsse sich die Airline auf Ersatzforderungen einstellen.

Auch eine Klage gegen die türkische Regierung schloss Laepple nicht aus. "Wenn sich herausstellt, dass die nationalen Luftfahrtbehörden die Fluggesellschaft nicht gewissenhaft auf Sicherheitsmängel geprüft haben, gibt es auch hier Regressansprüche", sagte er.

Die Flotte von Onur Air besteht aus 25 Maschinen der Typen Airbus A 320, A 321 und A 300. Die Gesellschaft fliegt 73 Flughäfen in Europa an und hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Fluggäste aus Westeuropa.

Als Reaktion auf die Flugsperre hatten die türkischen Behörden deutschen Ersatzmaschinen die Landegenehmigung in der Türkei zunächst verweigert. Erst nach massiven Protesten der Bundesregierung nahm Ankara das Verbot wieder zurück.